Forschungsarbeit: Deistischer Agnostizismus

Deistischer Agnostizismus

Zur Analogie zwischen Gott und unserem Geist

BOETHIANA – Forschungsergebnisse zur Philosophie, Band 162

Hamburg 2020, 204 Seiten
ISBN 978-3-339-11314-6 (Print), ISBN 978-3-339-11315-3 (eBook)

Agnostizismus, Atheismus, Deismus, Geist, Gott, Philosophie, Ratio, Religiöser Glaube, Religion, Religionsphilosphie, Religiosität, Theismus, Theologie, Vernunft, Verstand

Zum Inhalt

Im Untertitel wird eine Ähnlichkeit zwischen Gott und unserem Geist und somit zwischen einer außerweltlichen (externen) und innerweltlichen (immanenten) Transzendenz angesprochen, aber es wird damit nicht mehr angenommen, dass unser Geist ein Ebenbild Gottes sei. Im Grunde wissen wir rein gar nichts über Gott und auch nicht wie unser Geist zustande kommt. Die metaphysische Annahme lautet folglich: Gott übersteigt die ganze Welt (= Natur und Kultur), unser Geist transzendiert bloß die Natur. Wegen dieser Transzendenzen besteht die Analogie darin, dass Gott und unser Geist weder völlig begreifbar noch in ihren Ursachen fassbar sind. Dagegen ist unser Geist in Wirkungen zugänglich, er bewirkt z.B. Denken, Glauben, Fühlen, Wollen und Handeln und erschafft damit Kultur. Ob und wie Gott auch in Wirkungen zum Ausdruck kommt, steht zur Diskussion, wobei folgende markante Auffassungen zu Wort kommen, und zwar von Albert, Beckermann, Dawkins, Dennebaum, Detel, Dürr, Dworkin, Einstein, Fahr, Geißler, Habermas, Hawking, Herrmann, Illing, Küng, Popper, Ratzinger, Riedl, Strasser und Tetens.

Im Buch werden diese Vorgaben erörtert, woraus sich ein deistischer Agnostizismus aus den Grauzonen zwischen Deismus und Agnostizismus herauskristallisiert. Dabei wird nach einigen Zwischenstationen der Deismus dem Theismus aus guten Gründen vorgezogen, vor allem weil Theisten mit ihrem Gottesbegriff das Übel in der Welt nicht überzeugend verständlich machen können. Im Atheismus wird zwar erklärt, dass das Übel existiert, weil es gar keinen Gott gibt, aber für den Atheismus kann auch nicht plädiert werden, weil die Existenz eines Gottes (noch?) nicht widerlegt worden ist, und weil der Atheismus im Rückbezug auf den strengen Naturalismus (noch?) nicht überzeugend beantworten kann, warum die Welt überhaupt existiert. Vielmehr wird ein deistischer Agnostizismus entwickelt und begründet, der den agnostischen Deismus und den religiösen Agnostizismus umfasst. Ein deistischer Agnostiker kann Gott zwar nicht erkennen, kann aber nicht ausschließen, dass er möglicherweise existiert. Er hält sich jedoch offen, ob er an ihn glauben soll. Glaubt er nicht an Gott, sondern bloß an das immanent Gute, so ist er ein religiöser Agnostiker. Glaubt er an das Gute und an Gott, so ist er ein agnostischer Deist, der auch das Übel in der Welt plausibel machen kann, weil für ihn Gott als Weltenschöpfer, nicht aber als Weltenlenker in Frage kommt. Aus der Unzulänglichkeit von Theismus und Atheismus folgt zwar nicht zwingend der deistische Agnostizismus, aber umgekehrt folgt aus diesem, dass die ersten beiden unzulänglich sind.



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