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Evolution ›und‹ Schöpfung – aber welche?

Zur Frage nach der Entstehung der Welt und ihrer Bedeutung für religiöse Bildung

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Schriften zur Religionswissenschaft, Band 28

Hamburg , 232 Seiten

ISBN 978-3-339-13826-2 (Print)

ISBN 978-3-339-13827-9 (eBook)

Zum Inhalt

Was die Frage ‚Evolution oder Schöpfung?‘ betrifft, so lässt die Faktenlage der heutigen Wissenschaften noch viele Spielräume offen, die durch unterschiedliche Deutungen und vielfältige Glaubensinhalte gefüllt werden können, ja müssen.

Deren Vertreter bilden ein breites Spektrum, das vom Kreationismus sowie Intelligent Design und Theismus über den Deismus bis hin zum Agnostizismus und Atheismus reicht. Allerdings kann gezeigt werden, dass die Frage ‚Evolution oder Schöpfung?‘ falsch gestellt ist und aus rationaler Sicht lauten sollte: Evolution und Schöpfung – aber welche? Durch den Urknall? Durch Nichts? Durch die Annahme eines Multiversums? Oder doch durch Gott? Und falls ja, in welcher Auslegung? Theistisch, deistisch oder eher agnostizistisch?

Für Theisten steht nach wie vor fest: Gott ist der Anfang. Auch Deisten stimmen dem zu, dass Gott die Ursache bzw. der Grund der Weltenschöpfung ist, ohne dabei aber Gott als allgütigen Weltenlenker beizubehalten. Atheisten können sich damit nicht anfreunden und glauben nicht an Gott, sondern an eine natürliche, durch Zufall bedingte Schöpfung aus dem Nichts, was sich aber unserer Vorstellungskraft ebenso entzieht wie ein Bild der Außerweltlichkeit bzw. von Gott.

Wenn die Tatsache, dass man die Existenz Gottes nicht rational beweisen kann und mehr noch das große Leid auf dieser Welt die harten Felsen des Atheismus sind, so spricht andererseits die Tatsache, dass man die Existenz Gottes rational auch nicht widerlegen kann, für einen religiösen Glauben an einen Gott.

Vor allem stellen auch die Rätsel der Entstehung von Materie aus dem Nichts sowie der Entstehung unseres Geistes bzw. Bewusstseins aus Materie, also die Tatsache, dass unsere geistigen Fähigkeiten (Denken, Glauben, Fühlen, Wollen und Handeln) weder naturwissenschaftlich noch sonst wie restlos in ihren Ursachen erklärt werden können, nach wie vor harte Felsen des Gottesglaubens dar. Aus bisher unerklärlichen Gründen haben wir das Potenzial, eine vernünftige Selbstschöpfung zu ermöglichen, indem wir Geltungsansprüche in Bezug auf Wahrheit und Richtigkeit stellen und – allerdings nur mit einem Fehlbarkeitsvorbehalt – einlösen können.

Es ergibt sich eine Patt-Situation, die darauf hinausläuft, dass jeder Mensch letztlich sich selber vernünftig entscheiden muss, was und wem er glauben will und kann. Und die jeweils getroffene Entscheidung ist von allen Menschen zu respektieren, zumindest zu tolerieren.

In der richtigen Gestaltung der Glaubensfreiheit kommt religiöse Bildung zum Ausdruck. Da aber Atheisten eine Schöpfung als Evolutionsprozess noch (?) nicht restlos erklären können, und weil das Theodizee-Problem für Theisten rational unlösbar zu sein scheint, kann für eine umfassende religiöse Bildung auch ein deistischer Agnostizismus nicht entbehrt werden. Wenn diese Bildung als vernünftige Selbstschöpfung ausgelegt wird, stellt sie eine Symbiose von Selbsterhaltung und Miteinander dar.

Ohne diese Bildung ist eine umfassende Mündigkeit nicht zu haben, denn ihr Kern besteht in der Auseinandersetzung mit dem Ganzen, also auch mit der Möglichkeit einer Außerweltlichkeit. Zwar betonen Agnostiker, dass man eine externe Transzendenz nicht erkennen kann, doch lässt sich schon darüber rational diskutieren.

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