Coverabbildung: Forschungsarbeit, „Kritischer Personalismus“ von Dietmar Langer

Dietmar Langer Kritischer Personalismus

Zur immanenten Transzendenz als anthropologische Grundlage der personalen Handlungstheorie

Hamburg 2016, 334 Seiten

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Zum Inhalt

Es liegen etliche Stellungnahmen in der Philosophie vor, die sich mit der Frage auseinandergesetzt haben, ob alle Menschen immer schon Personen sind.

Helmuth Plessner (1892–1985) bejahte diese Frage. Er vertrat damit den ausnahmslosen Personalismus. Diese Position wurde schon von Immanuel Kant (1724–1804) eingenommen und wird heute von Robert Spaemann verteidigt.

Dagegen verneinte Max Scheler (1874–1928) diese Annahme. Er war überzeugt, dass Menschen erst zu Personen werden, wenn sie richtig werten. Diese Sichtweise kann als klassischer Personalismus gekennzeichnet werden. Er beruht auf einer ‘Apriori-Werte-Hierarchie‘ und somit auf einer externen Transzendenz.

Der kritische Personalismus hält zwar formal an Schelers Idee der Personwerdung fest. Er kann sie jedoch aus empirischer Sicht inhaltlich nicht übernehmen. Der Grund hierfür ist, dass es keine Werte-Hierarchie gibt, die für alle Menschen gültig ist. Zudem konnte in der postmodernen Philosophie jegliche Bezugnahme auf eine externe Transzendenz als Erkenntnisquelle nicht mehr überzeugen. Als Beispiele für eine solche externe Transzendenz gelten unter anderem:

  • Gott
  • Der Weltgeist

Postmodern ist die Skepsis gegenüber den legitimierenden Metaerzählungen. Dazu zählen zum Beispiel:

  • Die Absolutheit des Geistes
  • Die Hermeneutik des Sinns
  • Die Emanzipation des vernünftigen Subjekts

Folglich findet man gegenwärtig zwei wesentliche Strömungen. Einerseits existiert die strenge Sichtweise eines antitranszendental vorgehenden Naturalismus. Dieser weist dem menschlichen Bewusstsein seinen Ort direkt in der Natur zu. Unser Geist übersteigt bzw. transzendiert die Natur in keiner Weise. Damit verbunden ist oftmals ein Anti-Personalismus, weil das Hirnorgan zum alleinigen Akteur erklärt wird.

Zum anderen gibt es eine gemäßigte Position. Diese sieht im ganzen Menschen den Handlungsakteur. Der Mensch ist zwar ein evolutionär entstandenes Naturwesen und hat ein komplexes Bewusstsein entwickelt. Dieses Bewusstsein ist aber (noch?) nicht rundweg naturwissenschaftlich erklärbar.

Durch seine Fähigkeit zur Herstellung von Gültigkeitsbezügen verbleibt das Bewusstsein – so die These – nicht völlig in der Natur. Vielmehr erlangt es dadurch den Zugang zum Raum der (guten) Gründe bzw. zur gesellschaftlichen Kommunikation. Zu diesen Gültigkeitsbezügen gehören:

  • Wahrheit
  • Richtigkeit

Diese Auffassung bildet die Grundlage des kritischen Personalismus. Dessen immanente Transzendenz kommt im Fragen nach Gründen zum Vorschein. Sie impliziert eine anthropologische Vernunft- und Freiheitslehre, ohne dabei Kants transzendentale Freiheitsauffassung in Anspruch nehmen zu müssen.

Fragt man nach der Bedeutung dieser Vernunft- und Freiheitslehre für das Handeln, so ergibt sich ein zeitgemäßer Zugang zu einer personalen Handlungstheorie. Diese Handlungstheorie geht von der evolutions- und kulturell bedingten Möglichkeit der Personwerdung aus.

Zwar wurde das Subjekt der neuzeitlichen Bewusstseinsphilosophie in der Postmoderne dezentriert bzw. zu Grabe getragen. Es folgt jedoch eine Wiedergeburt dieses Subjektes. Diese erfolgt nunmehr im Anschluss an den kritischen Rationalismus als stets fehlbares Handlungssubjekt im Sinne einer potentiellen Person. Aufgrund dieser Neupositionierung können plausible Befunde der heutigen Hirnforschung mit alten philosophischen Einsichten in Einklang gebracht werden.

Bibliografische Daten

Autor Dietmar Langer
Titel Kritischer Personalismus
Untertitel Zur immanenten Transzendenz als anthropologische Grundlage der personalen Handlungstheorie
Seiten 334
Erscheinungsjahr 2016
Erscheinungsdatum 17.05.2016
Ort Hamburg
ISBN (Print) 978-3-8300-8695-6
eISBN (eBook) 978-3-339-08695-2
Schriftenreihe BOETHIANA – Forschungsergebnisse zur Philosophie
Band 125

Über Dietmar Langer

Dietmar Langer, geboren 1952 in Dentlein am Forst, ist Diplom-Pädagoge mit langjähriger Erfahrung in schulischer und hochschulischer Lehre. Von 1979 bis 2010 war er als Realschullehrer für Mathematik und Sport tätig, häufig auch in der Funktion des Klassenlehrers. Zwischen 2009 und 2014 lehrte er Allgemeine Pädagogik an der Pädagogischen Hochschule Ludwigsburg.

Seine wissenschaftliche Publikationstätigkeit begann in den 1980er-Jahren mit Beiträgen zur Sportdidaktik. Seit Mitte der 1990er-Jahre liegt sein Schwerpunkt auf erziehungsphilosophischen Fragen. Er veröffentlichte zahlreiche Fachaufsätze und Rezensionen, vor allem in der *Pädagogischen Rundschau*, wo er auch zwei Themenhefte verantwortete: eines zur Beziehung von Selbstbestimmung und Glauben (2019), ein weiteres zur Rolle der Erziehungsphilosophie in der Gegenwart (2023).

Bislang sind 29 Buchveröffentlichungen erschienen, darunter mehrere aktuelle Titel im Verlag Dr. Kovač, zuletzt Erziehung zur Vernunft. Irrtümer in der Theorie der Personwerdung und inwieweit wir uns langsam empor irren (2025), Evolution >und< Schöpfung – aber welche? (2024), der von ihm herausgegebene Sammelband Pädagogische Metaphysik (2024) sowie Warum die Erziehung des Geistes nicht veraltet ist (2023).

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