Dietmar Langer Immanenz – Kontingenz – Transzendenz
Zur Rationalität des religiösen Glaubens und des Glaubens an die Vernunft
Hamburg 2021, 204 Seiten
Zum Inhalt
In seinem befristeten Leben neigt der Mensch aufgrund seines geistigen Vermögens auch zum Glauben an Übersinnliches. Sei es seit jeher der religiöse Glaube an einen Gott bzw. an Götter oder der Glaube an die Vernunft, also auch an metaphysische Überlegungen, etwa der Glaube von Vertretern des Idealismus an einen Ideenhimmel (Platon), an einen absoluten Weltgeist (Hegel) oder daran, dass synthetische Urteile a priori nicht nur möglich, sondern auch gültig seien (Kant). Und das heißt im Klartext: Zum Überleben müssen solche Urteile von uns als wahr geglaubt werden (Nietzsche), obgleich sie natürlich noch falsche Urteile sein können (Popper). Und das gilt erst recht für religiöse Urteile mit Wahrheitsanspruch (Albert). Sei es obendrein jener Glaube von Verfechtern des strengen Naturalismus, der sie überzeugt sein lässt, es gebe in der Welt universal gültige Kausalgesetze bzw. Naturgesetze und wir sie irgendwann alle erkennen und somit wissen könnten, was und wie Gott denkt (Hawking).
Gott und Vernunft kommen auch als Bezugspunkte für die Erklärung der Entstehung der Welt aus dem Nichts grundsätzlich in Frage. Da wir aber nicht wissen, was beide im Grunde sind, können sie in der Außerweltlichkeit lokalisiert und als externe Transzendenz aufgefasst werden. Dagegen beziehen sich das Körper-Geist- und das Geist-Kultur-Verhältnis auf Innerweltlichkeit (Immanenz). Manche Menschen gehen so weit und setzen Gott und Vernunft gleich, zumindest ersetzen viele Philosophen spätestens seit Hume und Kant die Stelle in der Metaphysik, die früher Gott einnahm, nunmehr durch die Vernunft, denn die Wahrheit der Erkenntnis liegt seit der Aufklärung aufgrund säkularer Vernunft nicht mehr in der Hand Gottes.
Der Glaube an die Vernunft kann wie auch der Glaube an einen Gott durchaus vorrational motiviert sein, doch sind beide hinsichtlich ihrer Innerweltlichkeit (Immanenz) insoweit rational begründbar, wie sie zweckdienlich sind. Allerdings lässt sich beim religiösen Glauben an einen Gott nicht alles rational nachvollziehen, etwa bestimmte dogmatische Annahmen und Vorschriften im Theismus. Beide Glaubensarten beziehen sich natürlich auf externe Transzendenz in der Außerweltlichkeit (Gott bzw. Vernunft), trotzdem beruht der Glaube an die Vernunft auch auf immanenter Transzendenz: Unser freier Geist übersteigt bei der Feststellung von Gründen bloß die Natur und bewirkt durch Denken, Glauben, Fühlen, Wollen und Handeln die Kultur im Guten wie im Schlechten, verbleibt also in der Welt und kann so dort Vernunft anwenden, muss es aber nicht. Denn Transzendenz setzt jedenfalls Freiheit voraus, wodurch Kontingenz im Spiel ist: Beide Glaubensarten sind möglich, aber nicht notwendig. Doch können sie gemeinsam in religiöse Bildung münden und so stets eine Symbiose von Selbsterhaltung und Miteinander unterstützen.
Bibliografische Daten
| Autor | Dietmar Langer |
| Titel | Immanenz – Kontingenz – Transzendenz |
| Untertitel | Zur Rationalität des religiösen Glaubens und des Glaubens an die Vernunft |
| Seiten | 204 |
| Erscheinungsjahr | 2021 |
| Erscheinungsdatum | 12.01.2021 |
| Ort | Hamburg |
| ISBN (Print) | 978-3-339-11936-0 |
| eISBN (eBook) | 978-3-339-11937-7 |
| Schriftenreihe | BOETHIANA – Forschungsergebnisse zur Philosophie |
| Band | 169 |
Über Dietmar Langer
Dietmar Langer, geboren 1952 in Dentlein am Forst, ist Diplom-Pädagoge mit langjähriger Erfahrung in schulischer und hochschulischer Lehre. Von 1979 bis 2010 war er als Realschullehrer für Mathematik und Sport tätig, häufig auch in der Funktion des Klassenlehrers. Zwischen 2009 und 2014 lehrte er Allgemeine Pädagogik an der Pädagogischen Hochschule Ludwigsburg.
Seine wissenschaftliche Publikationstätigkeit begann in den 1980er-Jahren mit Beiträgen zur Sportdidaktik. Seit Mitte der 1990er-Jahre liegt sein Schwerpunkt auf erziehungsphilosophischen Fragen. Er veröffentlichte zahlreiche Fachaufsätze und Rezensionen, vor allem in der *Pädagogischen Rundschau*, wo er auch zwei Themenhefte verantwortete: eines zur Beziehung von Selbstbestimmung und Glauben (2019), ein weiteres zur Rolle der Erziehungsphilosophie in der Gegenwart (2023).
Bislang sind 29 Buchveröffentlichungen erschienen, darunter mehrere aktuelle Titel im Verlag Dr. Kovač, zuletzt Erziehung zur Vernunft. Irrtümer in der Theorie der Personwerdung und inwieweit wir uns langsam empor irren (2025), Evolution >und< Schöpfung – aber welche? (2024), der von ihm herausgegebene Sammelband Pädagogische Metaphysik (2024) sowie Warum die Erziehung des Geistes nicht veraltet ist (2023).
Weitere Bücher des Autors
Zur Dialektik von Sein und Sollen und ihrer Bedeutung für das Verhältnis von Ausbildung und Selbstbildung
Hamburg 2026
Irrtümer in der Theorie der Personwerdung und inwieweit wir uns langsam empor irren
Hamburg 2025
[...] Der Psychologe und Psychoanalytiker Dietmar Langer ist überzeugt: „Persönlichkeit braucht vernünftige, mündige, aufgeklärte, ganzheitliche Bildung“. Sie […]
Neuerliche und neue Reflexionen über Bildung und Erziehung
Hamburg 2024
[…] Es ist nicht einfach, den vielfältigen Fragen gerecht zu werden, die Langer mit seinem Band aufgeworfen hat. Auf der einen Seite handelt es sich um eine […]
Evolution ›und‹ Schöpfung – aber welche?
Zur Frage nach der Entstehung der Welt und ihrer Bedeutung für religiöse Bildung
Hamburg 2024
Vernünftiger Wille oder Wille zur Vernunft?
Zur Frage, wie kommt man eigentlich zur Vernunft – und ihrer Bedeutung für die Erziehung zur Mündigkeit
Hamburg 2023
[…] Auf verständliche Weise diskutiert der Verfasser neuere Zugänge zum Problem von Willensfreiheit und Determinismus und leitet daraus grundlegende […]
Warum die Erziehung des Geistes nicht veraltet ist
Zur Aktualität von Sprangers und Litts Konzeptionen der Selbstbildung und Selbsterziehung
Hamburg 2023
[…] Insgesamt eignet sich das Werk Langers einerseits als Einstieg in die gewichtige Frage zur Diskussion um Freiheit oder Determinismus in der […]
Willensfreiheit oder Determinismus?
Zum Verhältnis von Geist und Kausalität und seiner Bedeutung für die Pädagogik
Hamburg 2022
Möglichkeiten und Probleme der Vernunft
Hans Albert gegen Karl-Otto Apel und gegen Hans Küng
Hamburg 2021
Zur Frage, ob, inwieweit und wie Verstand, Vernunft und Religion miteinander vereinbar sind
Hamburg 2020
Religiöser Glaube und Selbstbestimmung?
Zur Frage, ob man als Person an Gott glauben muss
Hamburg 2019
Wollen und Überlegen aus Sicht der Pädagogischen Anthropologie
Zum Verhältnis von Wünschen, Entschließen und Handeln und seiner Bedeutung für die Erziehung zur Vernunft
Hamburg 2019
Geistiger Körper oder verkörperter Geist?
Zur postmodernen Antwort auf die Frage: Was ist der Mensch?
Hamburg 2019
Vernünftige Welt- und Selbstbezüge
Zur Metaphysik der Personwerdung und ihrer Bedeutung für die Pädagogik
Hamburg 2018
Persönlichkeit braucht Bildung
Zur Urrelation zwischen Mensch und Welt sowie ihrer Bedeutung für die Personwerdung
Hamburg 2018
Zum Verhältnis von Verstand, Vernunft, Vorrationalem und Mündigkeit
Hamburg 2018
Zur postmodernen Auslegung des Verhältnisses von Freiheit, Erziehung und Vernunft
Hamburg 2017
Zur immanenten Transzendenz als anthropologische Grundlage der personalen Handlungstheorie
Hamburg 2016
Bildung und Erziehung des Geistes
Zur philosophischen Theorie der Selbstbildung und Selbsterziehung
Hamburg 2015
Warum es für Erzieher kein letztgültiges Bild vom Menschen geben soll
Hamburg 2014
Erwerbungsvorschläge
Sie können Ihrer Bibliothek auch einen Erwerbungsvorschlag für dieses Buch unterbreiten.
-Import
Mit der Browser-Erweiterung Zotero Connector können Sie die auf dieser Seite hinterlegten COinS-Metadaten direkt in Ihre Literaturverwaltung übernehmen.
Weitere Exportformate für Katalogisierung und Zitation
MARC 21
BibTeX
RIS (für EndNote, Zotero, Citavi …)
Ihr Werk im Verlag Dr. Kovač
Informationen: Wir veröffentlichen Ihre wissenschaftliche Arbeit >>





















