: Die Familie

Die Familie

Studien zu ihrer geistigen Wirklichkeit im Abendland

POETICA – Schriften zur Literaturwissenschaft, Band 41

Hamburg 1999, 329 Seiten
ISBN 978-3-86064-769-1 (Print)

Rezension

[…] Geistesgeschichtlich interessierte und philosophischer Diktion aufgeschlossene Kanonistinnen und Kanonisten, die bereit sind, dem Autor bei seinem Unterfangen zu folgen, „das griechische Familienwissen als Bezugswissen vor dem Hintergrund des römischen in seiner Eigenart, Besonderheit, ja Einzigartigkeit hervortreten zu lassen und damit zugleich eine Grundlage zu schaffen für das Verständnis seiner verwandelten Wiederkehr unter christlichen Bedingungen bei Augustinus, unter den Bedingungen der Neuzeit bei Hegel und Hölderlin“ […], werden durch die Lektüre dieser Studie gewiss reich belohnt werden.

De processibus matrimonialibus, DPM 11/2004

Augustinus, Christentum, Eleusis, Familie, Friedrich Hölderlin, Geist, Georg Wilhelm Friedrich Hegel, Klassik, Literaturwissenschaft, Mythologie, Seele, Sophokles, Tragödie

Zum Inhalt

Die Familie ist mehr als nur ein Thema, ein wiederkehrendes Motiv der abendländischen Dichtung und Philosophie. Sie ist eine Schlüsselerfahrung, in der auch und vor allem das Verständnis des Geistes als einer Wirklichkeit aufgeht, die zur Vereinigung von Religion und Wissenschaft drängt.

Dies bezeichnet die „eleusinische“ Perspektive des Buches, denn das, was als Wesentliches des Einweihungsgeschehens von Eleusis und seiner Pädagogik, seiner Menschenbildung in der Erinnerung des Abendlandes sich erhalten hat, und was dann auch im deutschen Dichten und Denken des späten 18. sowie des 19. Jahrhunderts, nämlich vor allem von Goethe, Hegel, Schelling, Hölderlin und Nietzsche, als lebendig gesehene Aufgabe neu ergriffen wurde, ist eben jene Verbindung von Religion und Wissenschaft und die mit ihr einhergehende bzw. in Aussicht genommene Steigerung des Menschen. Eleusis hält sich im Bewusstsein als der Name für die verborgene, gottlose Religion des Abendlandes, d.h. für die Religion, die keinen eigenen Gott verkündet, sondern jeglichem, der sich ihr öffnet, den ihr zuvor schon bekannt gemachten, den geglaubten Gott verständlich und einsichtig und so erst wahrhaft zueigen werden lässt. Die eleusinische Lehre - das ist die leitende Annahme des vorliegenden Buches - entspringt der Erfahrung des Bezugs, die dem Menschen zuerst an seinem familialen Eingebundensein aufgeht. Da sie der Tradition und ihrer Überlieferungsart sich entzogen hat, kann jene Lehre nur indirekt erschlossen werden: anhand ihrer Ausstrahlung in Werke der Dichtung, der Theologie und der Philosophie.

Als solche die eleusinische Aufgabe zugleich bergende und entbergende Werke untersucht das Buch vor dem Hintergrund einer Skizze römischer Erfahrungsweisen des familialen Bezugs die Tragödien des Sophokles, Augustins „Bekenntnisse“, Hegels „Phänomenologie des Geistes“ sowie Hölderlins Lyrik.



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