Dietrich Hoffmann Kritische Erziehungswissenschaft
Historische und systematische Rekonstruktionen eines verdrängten Paradigmas
Hamburg 2007, 268 Seiten
Zum Inhalt
In den 1960er Jahren trugen die Bemühungen der ‘Frankfurter Schule‘, insbesondere die von Theodor W. Adorno und Max Horkheimer, aber auch die des ‘frühen‘ Jürgen Habermas Früchte, in Westdeutschland eine neue, in der Hauptsache gesellschaftskritische Aufklärung in Gang zu setzen.
Es war ein Versuch, die ‘bleierne Zeit‘ zu beenden, zu der sich die Epoche der Restauration nach dem Zweiten Weltkrieg in der Bundesrepublik Deutschland entwickelt hatte. Einige der jüngeren Vertreterinnen und Vertreter der Geisteswissenschaftlichen Pädagogik, die in der Nachkriegszeit an den Hochschulen und Universitäten wiederhergestellt und zur herrschenden Richtung geworden war, traten für eine Revision der Begriffe und Theorien, der Prinzipien und Kategorien im Sinne der Kritischen Theorie und damit für eine Kritische Erziehungswissenschaft ein, u.a. Herwig Blankertz, Ilse Dahmer, Wolfgang Klafki und Klaus Mollenhauer.
Es kann offen bleiben, ob das Paradigma an der Stärke der Gegenaufklärung oder an der Schwäche des damaligen Konzepts gescheitert ist: seit dem Anfang der 80er Jahre des vorigen Jahrhunderts ist von ihm kaum noch die Rede. In einem Umfeld, in dem Kritik ohnedies nicht hoch im Kurs steht, lässt sie sich leicht als destruktiv denunzieren – und mit dem blinden Aktionismus der ‘68er‘ in Verbindung bringen. Was von dem Konstrukt übrig blieb, wurde zunächst dem Individualismus der ‘Moderne‘ und sodann dem Relativismus der ‘Postmoderne‘ zugerechnet; der Plan einer sozialen Emanzipation durch Veränderung der Erziehung und Rückkehr zur Bildung war damit vom Tisch.
In der entstandenen Beliebigkeit und der verbreiteten Unübersichtlichkeit wird nun statt Aufklärung Verblendung und Verdummung organisiert. In dieser Situation erscheint es notwendig, mit Hilfe historischer und systematischer Beispiele an die Kritische Erziehungswissenschaft zu erinnern, um sie zu erneuern. Unter dem Eindruck von Restriktionen und Reduktionen hat die Erziehungswissenschaft in den 1990er Jahren erschreckt davon abgelassen, sich mit dem Verhältnis von Erziehung und Gesellschaft – und den diese beherrschenden Mächten – zu beschäftigen. Es ist die Absicht des Verfassers, eine erneute Hinwendung auf diese Probleme anzuregen und zu unterstützen.
Bibliografische Daten
| Autor | Dietrich Hoffmann |
| Titel | Kritische Erziehungswissenschaft |
| Untertitel | Historische und systematische Rekonstruktionen eines verdrängten Paradigmas |
| Seiten | 268 |
| Erscheinungsjahr | 2007 |
| Ort | Hamburg |
| ISBN (Print) | 978-3-8300-3012-6 |
| eISBN (eBook) | 978-3-339-03012-2 |
| Schriftenreihe | EUB. Erziehung – Unterricht – Bildung |
| Band | 129 |
Über Dietrich Hoffmann
Prof. Dr. Dietrich Hoffmann (1934–2023) wirkte über mehrere Jahrzehnte als Erziehungswissenschaftler an der Universität Göttingen. Nach dem Studium und einer ersten Phase als Berufsschullehrer nahm er 1969 eine wissenschaftliche Laufbahn auf, zunächst als Assistent, später als Akademischer Rat. 1973 folgte die Berufung auf eine Professur für Allgemeine Pädagogik an der damaligen Pädagogischen Hochschule Göttingen, die später in die Universität integriert wurde.
Sein wissenschaftliches Interesse galt vor allem der Theorie und Geschichte der Erziehungswissenschaft. Besondere Schwerpunkte bildeten die institutionelle Entwicklung der Göttinger Pädagogik sowie das Werk Heinrich Roths, das er kritisch und weiterführend reflektierte. Hoffmanns Arbeiten trugen wesentlich dazu bei, geisteswissenschaftliche Bildungstraditionen mit empirischer Forschung in einen fruchtbaren Dialog zu bringen.
Von 1988 bis 1990 war er Vizepräsident der Universität Göttingen, 2002 wurde er emeritiert. Über viele Jahre engagierte er sich zudem in der Leibniz-Sozietät der Wissenschaften zu Berlin, deren Mitglied er seit 1998 war. Seine Impulse für den pädagogischen Austausch zwischen Ost und West, etwa in den von ihm initiierten Steinhorster Tagungen, bleiben unvergessen.
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