Dietrich Hoffmann, Reinhard Uhle (Hrsg.) Utopisches Denken und pädagogisches Handeln
Untersuchungen zu einem ungeklärten Verhältnis
Hamburg 2004, 178 Seiten
Zum Inhalt
Schon in der Antike, vor allem aber seit Beginn der Neuzeit werden der gesellschaftlich oder politisch unzulänglichen Wirklichkeit Utopien entgegen gestellt. In diesen werden ‘bessere Welten’ ausgemalt, die nur mit Hilfe der Erziehung verwirklicht werden können.
Die Wenigsten machen sich aber klar, dass auch in den üblichen Zielen von Erziehung und Bildung Elemente utopischen Denkens enthalten sind. Viele der Absichten können unter den herrschenden Bedingungen und mit den verfügbaren Mitteln gar nicht erreicht werden. Kann man ‘allen alles allseitig’ lehren? Ist es möglich, in Schulen eine ‘allgemeine Bildung’ zu vermitteln? Sind ‘neue Technologien’ bzw. ‘neue Medien’ geeignet, den Unterricht entscheidend zu verbessern?
In dem vorliegenden Band wird das Verhältnis von utopischem Denken und pädagogischem Handeln zunächst theoretisch untersucht. Danach wird an Beispielen wie Kindererziehung, Jugendbildung, Bildungsreform, Lehrerhandeln, Unterrichtsmethodik das Verhältnis konkretisiert.
Dabei fällt auf, dass sich viele Pädagoginnen und Pädagogen, in Sonderheit aber auch Bildungspolitiker und Bildungspolitikerinnen selten bewusst sind, wie ‘utopisch’ ihr Verhalten angesichts der Wirklichkeit ist. Dies mag ein Grund dafür sein, dass der Zusammenhang beider Komponenten bisher wenig erforscht wurde. Es wird gemeinhin verdrängt, wie weit alle Annahmen und Vorgaben dazu, was pädagogisch für erreichbar gehalten wird, jenseits der Realität liegen. Andererseits würden die betreffenden Anstrengungen unterbleiben, wenn die Hoffnung aufgegeben werden sollte, dass mit Veränderungen auch Verbesserungen zu erreichen sind.
So falsch es deshalb wäre, auf utopisches Denken im pädagogischen Handeln zu verzichten, so wichtig ist es, sich bewusst zu machen, wie sich bei ihm die Nachteile zu den Vorteilen verhalten.
Bibliografische Daten
| Herausgeber | Dietrich Hoffmann, Reinhard Uhle (Hrsg.) |
| Titel | Utopisches Denken und pädagogisches Handeln |
| Untertitel | Untersuchungen zu einem ungeklärten Verhältnis |
| Seiten | 178 |
| Erscheinungsjahr | 2004 |
| Ort | Hamburg |
| ISBN (Print) | 978-3-8300-1243-6 |
| eISBN (eBook) | 978-3-339-01243-2 |
| Schriftenreihe | EUB. Erziehung – Unterricht – Bildung |
| Band | 108 |
Zu den Personen
Prof. Dr. Dietrich Hoffmann (1934–2023) wirkte über mehrere Jahrzehnte als Erziehungswissenschaftler an der Universität Göttingen. Nach dem Studium und einer ersten Phase als Berufsschullehrer nahm er 1969 eine wissenschaftliche Laufbahn auf, zunächst als Assistent, später als Akademischer Rat. 1973 folgte die Berufung auf eine Professur für Allgemeine Pädagogik an der damaligen Pädagogischen Hochschule Göttingen, die später in die Universität integriert wurde.
Sein wissenschaftliches Interesse galt vor allem der Theorie und Geschichte der Erziehungswissenschaft. Besondere Schwerpunkte bildeten die institutionelle Entwicklung der Göttinger Pädagogik sowie das Werk Heinrich Roths, das er kritisch und weiterführend reflektierte. Hoffmanns Arbeiten trugen wesentlich dazu bei, geisteswissenschaftliche Bildungstraditionen mit empirischer Forschung in einen fruchtbaren Dialog zu bringen.
Von 1988 bis 1990 war er Vizepräsident der Universität Göttingen, 2002 wurde er emeritiert. Über viele Jahre engagierte er sich zudem in der Leibniz-Sozietät der Wissenschaften zu Berlin, deren Mitglied er seit 1998 war. Seine Impulse für den pädagogischen Austausch zwischen Ost und West, etwa in den von ihm initiierten Steinhorster Tagungen, bleiben unvergessen.
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