Sammelband: Die Reformkonzepte Heinrich Roths - verdrängt oder vergessen?

Die Reformkonzepte Heinrich Roths - verdrängt oder vergessen?

Zur Rekonstruktion von Realistischer Erziehungswissenschaft und Entwicklungspädagogik

EUB. Erziehung - Unterricht - Bildung, Band 127

Hamburg 2006, 214 Seiten
ISBN 978-3-8300-2685-3

Rezension

[...] Zum 100. Geburtstag des Pädagogen Heinrich Roth (1906 bis 1983) hat sein früherer Assistent Dietrich Hoffmann einen Band in die Wege geleitet, der in Erinnerung ruft, was Heinrich Roth in den 1960er und 70er Jahren in mehreren Bereichen zur Entwicklung der Erziehungswissenschaft, der Schule und der Bildungspolitik angestoßen hatte. [...]
Damit hat [Heinrich Roth] - in einer anderen Zeit - vielen pädagogisch verantwortlich denkenden und handelnden Menschen konzeptionelle Orientierung und zugleich praxisbezogene Anregungen gegeben. Zusammen mit dem jüngsten Beiheft der "Deutschen Schule" macht dieser Band auf Leben und Wirken eines Pädagogen aufmerksam, dessen Reformkonzepte nichts an Aktualität verloren haben.

Die Deutsche Schule, 2/2007


Begabung, Bildungsreform, Entwicklungspädagogik, Lernen, Pädagogik, Pädagogische Anthropologie, Realistische Wendung, Schule, Unterricht

Zum Inhalt

In den 60er und 70er Jahren des vorigen Jahrhunderts galt Heinrich Roth (1906-1983) nicht nur als bedeutender, sondern als überaus einflussreicher Pädagoge. Die von ihm von der Universität Göttingen aus in Gang gebrachte Modernisierung der Erziehungswissenschaft sowie die durch ihn als Mitglied des Deutschen Bildungsrates zur Diskussion gestellte Reformierung des Erziehungs- und Bildungswesens schienen weitgehend akzeptiert zu sein. Tatsächlich fielen beide Anstrengungen Gegenströmungen zum Opfer.

Seine Auffassungen zur Notwendigkeit einer ‘realistischen Wendung‘ der pädagogischen Forschung, zur Nützlichkeit der Zusammenführung unterschiedlicher Forschungsergebnisse unter einer ‘pädagogischen Fragestellung‘ und zur Dringlichkeit konkreter Veränderungen der Lehr- und Lernprozesse vor allem in der Schule sind offenbar vergessen, wenn nicht sogar verdrängt worden. Auffällig ist, dass mit Roths Pädagogischer Anthropologie auch das darin enthaltene Konzept einer ‘Entwicklungspädagogik‘ verloren ging, obschon deren Grundlagen trotz der neueren Erkenntnisse der Neurobiologie auch heute noch Bestand haben. Viele Erziehungswissenschaftlerinnen und Erziehungswissenschaftler wollten augenscheinlich weder von der Entwicklungspsychologie Abschied nehmen noch von den ihnen geläufigen historisch-philosophischen Vergewisserungen. In der gegenwärtigen Diskussion über die Mittel und Wege einer erneuten Bildungsreform ist von der Förderung von Begabung, vom frühen Lernen, von der Hinwendung zu Kompetenzen und Qualifikationen, von grundlegenden Wandlungen der Lehrerausbildung in einer Weise die Rede, als habe diese Probleme noch nie jemand systematisch bedacht. Deshalb fragen die Autorinnen und Autoren in diesem Band ebenso nach Roths Intentionen wie nach den Gründen für das Desinteresse an seinen Lösungen für die fortbestehenden Probleme.

Da sie dies zugleich aus Anlass des 100. Geburtstages von Roth tun, enthält der Band biographische Beiträge und ergänzende Texte, mit denen die Beziehungen von Leben und Werk des Autors vom Ende der Weimarer Republik über die Zeit des Nationalsozialismus bis zur Gründung der Bundesrepublik Deutschland erörtert werden. Insbesondere der Charakter seiner veröffentlichten Dissertation und die Tätigkeit des zunächst als Psychologe in der Heerespsychologie arbeitenden Wissenschaftlers werden thematisiert.



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