Sammelband: Anmerkungen zur Göttinger Pädagogik

Anmerkungen zur Göttinger Pädagogik

Unbeachtete Zusammenhänge aus Zeiten des Umbruchs

EUB. Erziehung – Unterricht – Bildung, Band 140

Hamburg 2008, 264 Seiten
ISBN 978-3-8300-3690-6 (Print & eBook)

Bildungspolitik, Bildungsreform, Geisteswissenschaftliche Pädagogik, Göttinger Pädagogik, Nationalsozialismus, Pädagogik, Pädagogische Verantwortung, Realistische Erziehungswissenschaft, Soziale Verantwortung

Zum Inhalt

Innerhalb der Erziehungswissenschaft hatte die Anfang der 1920er Jahre von Herman Nohl an der Georg-August-Universität begründete und nach dem Zweiten Weltkrieg von Erich Weniger weitergeführte Richtung der Geisteswissenschaftlichen Pädagogik als ’Göttinger Schule’ einen über die regionale Bedeutung hinausreichenden Ruf. Mit der Berufung Heinrich Roths verstärkte sich dieser in den 1960er Jahren sogar noch. Durch die Forderung nach einer ’realistischen Wendung’ in der pädagogischen Forschung wurde die Göttinger Pädagogik insgesamt zu einem Begriff. Die Entwicklung ist in ihren Hauptzügen in der wissenschaftshistorischen Literatur dargestellt worden. Die Abschwächung des Interesses an Erziehung und Bildung in der sich Ende der 70er Jahre anschließenden Phase der Restriktion führte zu einem für die Disziplin als Ganzes exemplarischen Niedergang, dessen Beschreibung noch aussteht. In dem Band ergänzt der Autor, der die Vorgänge über eine Zeitspanne von 50 Jahren miterlebt hat, die vorhandenen Beschreibungen durch ’Anmerkungen’. Sie sind vor allem gegen unbedachtes Lob und vorschnellen Tadel, unvernünftige Kritik und parteiische Einschätzungen gerichtet. Die Texte behandeln die Umstände der Konstituierung der betreffenden Richtung durch Nohl und Weniger sowie ihre Modernisierung durch Roth, das Engagement Wenigers im Deutschen Ausschuss für das Erziehungs- und Bildungswesen und das Roths im Deutschen Bildungsrat. Er klärt die Ursachen für die Schwerpunktbildungen. Bei Weniger liegt die Betonung auf der Bildungstheoretischen Didaktik, insbesondere der des Geschichtsunterrichts, bei Roth auf der Begabungstheorie und der Pädagogischen Anthropologie. Die Göttinger Pädagogik hatte immer einen starken Bezug zur Praxis und hat deshalb eine politische Dimension ausgebildet, die sich auch bei anderen Vertretern zeigt, vor allem bei der Diskussion der Kategorie von der ’pädagogischen Verantwortung’, u.a. bei Artur Levi, Heinz-Hermann Schepp und Hermann Giesecke. Der Autor, der das Konzept einer ’kritischen Wissenschaftsforschung’ vertritt, will mit den Betrachtungen des Buches auf Zusammenhänge aufmerksam machen, die man kennen muss, ehe man zur Deutung der entsprechenden Theorien und zur Bewertung der damit verbundenen Prozesse ansetzt.



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