Forschungsarbeit: Die letzte deutsche Illusion im Zweiten Weltkrieg

Die letzte deutsche Illusion im Zweiten Weltkrieg

Waffenruhe im Westen und mit ganzer Kraft gegen den Osten

Schriften zur Geschichtsforschung des 20. Jahrhunderts, Band 23

Hamburg 2020, 204 Seiten
ISBN 978-3-339-11862-2 (Print), ISBN 978-3-339-11863-9 (eBook)

Allen Dulles, Antibolschewismus, Heinrich Himmler, Kapitulation, Ostfront, Westalliierte, Zweiter Weltkrieg

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Hoffnungen und Illusionen führten im Zweiten Weltkrieg dazu, dass die Deutschen trotz fehlender Siegesschancen bis zum totalen Ende weiterkämpften. Man setzte auf „Wunderwaffen“, auf den Zerfall der feindlichen Koalition und auf die Erwartung, dass es die Westalliierten nicht zulassen würden, dass Deutschland von der Roten Armee überrollt würde. Schließlich glaubten viele an die Möglichkeit, dass Amerikaner und Briten zusammen mit der Wehrmacht gegen die Russen vorgehen könnten. Bei verschiedenen Generälen, aber auch im militärischen Widerstand gab es Pläne, die Waffen im Westen niederzulegen, um dann die freiwerdenden Kräfte an die Ostfront zu verlegen. Um eine gemeinsame Basis mit den Westalliierten zu finden, wurde immer wieder die Furcht geschürt, dass sich der Bolschewismus über ganz Europa ausbreiten könnte. Das Reich sei das letzte Bollwerk gegen die Rote Armee, hieß es immer wieder bei Propagandaminister Goebbels. Bemühungen, mit dem Westen in Kontakt zu treten, reichten bis in die höchsten Ränge des NS-Regimes. Besonders weit ging hier SS-Chef Heinrich Himmler. Bei ihm waren Realitätsverlust und Illusionen am größten, glaubte er doch, dass er auch nach dem Kriegsende eine Rolle spielen und der Nationalsozialismus in einer reformierten Version weiterbestehen könnte. Während London und Washington alle entsprechenden Vorstößen zurückwiesen oder ignorierten und hart an der Formel der „bedingungslosen Kapitulation“ festhielten, fand der Widerstand zumindest bei dem Vertreter des amerikanischen Geheimdienstes Allen Dulles Verständnis und Entgegenkommen. Erst in der absoluten Endphase des Krieges begann beim britischen Premier Winston Churchill ein Umdenken, als er erkannte, dass Stalin alle Abkommen bezüglich einer demokratischen Ordnung in Osteuropa missachtete. Erste Anzeichen des Kalten Krieges wurden spürbar. Schon im Mai 1945 gab es britische Planspiele für einen Krieg gegen die Sowjetunion unter Einbeziehungen von deutschen Soldaten. Es sollte aber noch zehn Jahre dauern, bis die Bundesrepublik mit ihrer Armee in eine westliche anti-sowjetische Allianz eingegliedert wurde.



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