Forschungsarbeit: Der Botschafter und der Papst

Der Botschafter und der Papst

Weizsäcker und Pius XII. Die deutsche Vatikanbotschaft 1943-1945

Studien zur Zeitgeschichte, Band 69

Hamburg , 190 Seiten

ISBN 978-3-8300-3467-4 (Print)
ISBN 978-3-339-03467-0 (eBook)

Zum Inhalt

Nach fünf Jahren als rechte Hand von Reichsaußenminister Ribbentrop wurde Ernst von Weizsäcker 1943 als Botschafter an den Vatikan versetzt. Er verließ das Zentrum der Macht in Berlin, in dem er mitverantworlich für die Kriegspolitik war, und erhielt in Rom ein Amt, das in diesem Moment der wichtigste diplomatische Posten war, der zu vergeben war.

Nach El Alamein und Stalingrad war die deutsche Niederlage besiegelt. Der Diplomat der alten Schule hoffte, über den Vatikan zu einem Verständigungsfrieden mit den Westalliierten zu kommen. In diesem Bemühen zeigten sich seine Illusionen und auch seine politische Naivität. Seit der Übernahme des Amtes des Staatsekretärs im Außenministerium hatte er seine Einflussmöglichkeiten auf Hitler und Ribbentrop überschätzt. Trotz der Einsicht, dass die Alliierten niemals mit Hitler Kompromisse schließen würden, versuchte Weizsäcker bis zuletzt, den Vatikan als einen für die nationalsozialistische Regierung akzeptablen Friedensvermittler und Verhandlungspartner zu erhalten. Dabei tat er alles, um den Heiligen Stuhl von einem energischen Auftreten gegen Hitler abzuhalten und trug so zum viel kritisierten „Schweigen“ von Papst Pius XII. bei.

Nach dem Sturz und der Wiedereinsetzung Mussolinis ging die „weiße“ deutsche Botschaft zusammen mit dem „Duce“ an den Gardasee, und Weizsäckers „schwarze“ Botschaft stand auf einmal im Mittelpunkt des politischen Geschehens in Rom. Der Diplomat wurde sofort in dramatische Ereignisse verwickelt, die ihn zu schwierigen Entscheidungen zwangen: das Ausscheiden Italiens aus dem Krieg, die deutsche Besetzung Roms, die Deportation römischer Juden, schließlich die alliierte Besetzung der italienischen Hauptstadt und seine eigene Übersiedlung in den Vatikan.

Das Buch beschreibt die Politik des Papstes in diesem Zeitraum und stellt die Frage nach dem Handlungsspiel des Botschafters. Am Ende war Weizsäcker ein Gescheiterter. Trotz innerer Distanz zum Nationalsozialismus diente er dem Regime bis zuletzt.

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