Forschungsarbeit: Die Ideologie der

Die Ideologie der "klassischen Reitkunst"

Entwicklungen und Divergenzen in der Theorie und der Praxis der Ausbildung des Pferdes

Schriften zur Kulturwissenschaft, Band 111

Hamburg 2014, 650 Seiten
ISBN 978-3-8300-8021-3 (Print & eBook)

Anthropologie, Geschichte, Hippologie, Höfisches Leben, Ideologiekritik, Kriegsgeschichte, Kulturgeschichte, Kulturwissenschaft, Mensch-Tier-Beziehung, Militärgeschichte, Pferd, Sportgeschichte, Technikgeschichte

Zum Inhalt

Die sogenannte „klassischen Reitkunst“ ist eine Fiktion: Die meist pauschal behauptete Einmütigkeit der Reitmeister der verschiedenen Jahrhunderte und die Konstanz der unverzichtbaren Lehraussagen über die Schulung des Pferdes unter dem Sattel lassen sich historisch nicht belegen.

Dies ist das Resultat der vorliegenden Erörterung, die die Entwicklungen und die Divergenzen in den zentralen Aussagen der hippologischen Literatur von der Antike bis zur Gegenwart detailliert darstellt und analysiert.

Mit der Unterstellung der „klassischen Reitkunst“ und der „klassischen Reitlehre“ werden die jeweils vertretenen theoretischen Auffassungen und die jeweils im Sattel angewandten Praktiken als traditionskonform und als Bestandteile der „wahren“ Lehre ausgegeben. Derart wird die Problematik diskussionswürdiger und der Begründung bedürfender Auffassungen kaschiert, werden Lehraussagen ohne konkrete Explikation als verbindlich deklariert. Derart wird konkurrierenden Ansichten die Anerkennung versagt.

Die Respektierung der Entwicklungen, des Wandels und der Divergenzen in den Lehraussagen der Reitmeister der verschiedenen Jahrhunderte lässt die Methoden der Ausbildung des Pferdes als „technische“ Verfahren und „technische“ Erfindungen verstehen, wie andere technische Verfahren und Erfindungen der menschlichen Kultur durch konvergente und divergente Versuche ebenso gekennzeichnet wie durch Erfolge und Fehlentwicklungen.

Das hier explizierte Verständnis der sogenannten „klassischen Reitkunst“ und der sogenannten „klassischen Reitlehre“ erleichtert das Urteil über die unterschiedlichen Aussagen der heute vertretenen Schulen und der unterschiedlichen heute im Sattel angewandten Praktiken. Die historische Analyse hilft dabei, die für die Schulung eines Pferdes integralen Lehrinhalte von den verzichtbaren abzuheben. Zudem unterstützt diese Analyse das Engagement, die fortschreitende Beachtung der natürlichen Dispositionen des Pferdes in der Theorie und der Praxis des Reitens einzufordern.

Zum Autor

Heinz Meyer, geboren 1936, beschäftigt sich seit seiner Jugend mit der Theorie und der Praxis der reiterlichen Ausbildung von Pferden. Die hippologische Perspektive erweiterte er durch die Respektierung veterinärmedizinischer Gesichtspunkte. Meyer veröffentlichte verschiedene Bücher zur Reitlehre und zur Geschichte der Beziehung von Mensch und Pferd. Er lehrte als Professor für Soziologie in Aachen und in Wuppertal.



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