Forschungsarbeit: Revolte der Natur und konformistischer Protest

Revolte der Natur und konformistischer Protest

Über die Klimaschutzbewegung „Fridays for Future“

KRITIK UND REFLEXION – Interdisziplinäre Beiträge zur kritischen Gesellschaftstheorie, Band 21

Hamburg 2020, 220 Seiten
ISBN 978-3-339-11824-0 (Print), ISBN 978-3-339-11825-7 (eBook)

Fridays for Future, Globalisierungskritik, Greta Thunberg, Klimaschutz, Klimaschutzabkommen, Klimaschutzbewegung, Klimawandel, Kritik der Politischen Ökonomie, Kritische Theorie der Gesellschaft, Luisa Neubauer, Naturphilosophie, Neoliberalismus, Politikwissenschaft, Soziale Bewegung, Soziologie

Zum Inhalt

Die Erkenntnis, daß die immer deutlicher spürbare „Klimakrise“ anthropogen verursacht ist, wird gegenwärtig nur noch von Rechtspopulisten bestritten. Dennoch sind nicht die „anthropogenen“, also gesellschaftlichen und ökonomischen Ursachen gut erforscht, sondern nur die Erscheinungen und die naturwissenschaftlich zu bestimmenden Zusammenhänge.

Analog fordern die Sprecherinnen der Klimaschutzbewegung Fridays for Future auch nur, den Klimaforschern solle endlich zugehört werden. Weil der Widerstand der Bewegung auf den Gebieten der Gesellschaftstheorie und Politischen Ökonomie analphabetisch ist und sich nicht gegen die gesellschaftlichen und ökonomischen Ursachen der Krise richtet, trifft er auf keinen nennenswerten gesellschaftlichen und politischen Widerstand. Das Aufbegehren der Klimaschutz-Aktivisten ist ein konformistischer Protest: eine neoliberale Kritik des globalisierten Neoliberalismus.

Diese Untersuchung gilt der Metakritik dieses gesellschaftlichen und ökonomischen Analphabetismus: Die gesellschaftliche Sprachlosigkeit wird nicht abstrakt denunziert, sondern aus den bestehenden neoliberalen Verhältnissen aufgeklärt, um jene Bewußtlosigkeit zu überwinden und die Kritik der Bewegung gesellschaftstheoretisch und politisch-praktisch zu radikalisieren.

Die Studie folgt der Tradition der Kritischen Theorie der Gesellschaft. Der Titel ist einer Vorlesung Max Horkheimers über ‚Die Revolte der Natur’ entlehnt. Dieser Titel bezeichnet nicht den Aufstand einer subjektiv-rebellischen Natur in der Innen- und Außenwelt des Menschen, sondern den Widerspruch von gesellschaftlicher Naturbeherrschung und unbeherrschter, unbeherrschbarer Natur.

Die Studie beginnt mit einer Darstellung der Erscheinungsformen des Protests. Ausführlich analysiert wird das Selbstverständnis der Bewegung, wie es in den Publikationen der Wortführerinnen der Bewegung, Greta Thunberg und Luisa Neubauer, erscheint. Dieses Selbstverständnis wird aus dem Kontext der Dogmen des Neoliberalismus aufgeklärt. Abgeschlossen wird die Studie mit einer historisch-systematischen Darstellung des Zusammenhangs von Gesellschaftsform und Natur-Auffassung.

Gerhard Stapelfeldt lehrte bis 2009 als Professor am Institut für Soziologie der Universität Hamburg. Seitdem arbeitet er als freier Schriftsteller in Hamburg.



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