Dissertation: „Meiden Sie Untätigkeit, sie ist die Mutter aller Laster...“ – Zu Muße und Weiblichkeit in der russischen Literatur des 19. Jahrhunderts

„Meiden Sie Untätigkeit, sie ist die Mutter aller Laster...“ –
Zu Muße und Weiblichkeit in der russischen Literatur des 19. Jahrhunderts

Studien zur Slavistik, Band 49

Hamburg 2019, 320 Seiten
ISBN 978-3-339-11164-7 (Print), ISBN 978-3-339-11165-4 (eBook)

19. Jahrhundert, Bildung, Erziehung, Frauenliteratur, Gender, Gender Studies, Literaturwissenschaft, Muße, Osteuropäische Geschichte, Ratgeberliteratur, Raum, Russische Literatur, Russischer Adel, Slavistik, Untätigkeit, Weiblichkeit, Zeit

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Das Thema Muße taucht nicht erst in unserer heutigen, schnelllebigen Gesellschaft vielfach in Zusammenhang mit Fragen nach einer sinnstiftenden Zeitgestaltung auf. Bereits im 19. Jahrhundert spielte die Frage nach dem Umgang mit der eigenen Zeit eine große Rolle und wurde für die Geschlechter unterschiedlich beantwortet. Weiblichen Mitgliedern der russischen Adelsgesellschaft etwa, auf die sich diese Studie konzentriert, war es nur bedingt möglich, selbstbestimmt über ihre Zeit zu verfügen. Denn obwohl sich diese Gesellschaftsgruppe damals durch einen regelrechten Überschuss an (freier) Zeit auszeichnete, wurde vor allem der Lebensalltag von adligen Mädchen und Frauen durch eine strikte Zeiteinteilung reguliert. Damit einher gingen geschlechtsspezifische Raum- und Tätigkeitszuschreibungen, die das Leben adliger Mädchen und Frauen aufs Engste fremdbestimmten.

Diese Studie untersucht das komplexe Phänomen der Muße unter den spezifischen Bedingungen der russischen Adelsgesellschaft in Zusammenhang mit zeitgenössischen Vorstellungen von idealer Weiblichkeit. Die Auswertung normativer Literatur in Form von Anstands- und Erziehungsbüchern sowie fiktionaler Texte sowohl prominenter russischer Autoren als auch weniger bekannter Autorinnen gibt Hinweise darauf, welche Konzepte von Muße und Weiblichkeit für die russische Literatur des 19. Jahrhunderts zu identifizieren sind. Typische Räume und Tätigkeiten kristallisieren sich heraus. So entfaltet sich die weibliche Muße vornehmlich in Gärten und an Fenstern, als Mußepraktiken erscheinen insbesondere Handarbeiten wie Sticken. Es erweist sich, dass die narrative Ästhetisierung von Mußeerfahrungen adliger Mädchen und Frauen das Potenzial besitzt, zeitgenössische Idealvorstellungen von Weiblichkeit in literarischen Texten subversiv zu unterlaufen und Gegenentwürfe vorzustellen.



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