Dissertation: Leere, Unendlichkeit, Nichts: Die Langeweile als Grundstimmung unseres heutigen Daseins und als Grundlage der neuzeitlichen Räumlichkeit

Leere, Unendlichkeit, Nichts: Die Langeweile als Grundstimmung unseres heutigen Daseins und als Grundlage der neuzeitlichen Räumlichkeit

Eine Interpretation von Heideggers Vorlesung vom Wintersemester 1929/30

BOETHIANA – Forschungsergebnisse zur Philosophie, Band 100

Hamburg , 442 Seiten

ISBN 978-3-8300-6500-5 (Print)
ISBN 978-3-339-06500-1 (eBook)

Rezension

[...] Garavitos äußerst kenntnisreiche, über Details Heideggerscher Problemstellungen wie über philosophiehistorische Großinterpretamente (Jonas, Löwith, Blumenberg) souverän verfügende Studie schlägt einen weiten Bogen [...].
in: Philosophische Rundschau, PhR, Band 63 (2016) Heft 1

Zum Inhalt

Das Buch versucht die Frage nach dem Sinn des Raumes für uns, Menschen der Neuzeit, zu verfolgen. Als Grundbegriff dient uns dabei Heideggers Grundstimmung der tiefen Langeweile, wie sie in seiner Vorlesung Die Grundbegriffe der Metaphysik: Welt, Endlichkeit, Einsamkeit (1929) dargelegt wurde: Die tiefe Langeweile ist die Leergelassenheit im Ganzen, deren Bekämpfung die Lehre des Raumes in der Neuzeit, Pascal und More, Descartes und Leibniz bis zum Deutschen Idealismus, versucht. Der Mensch der Neuzeit will durch seine Auseinandersetzung mit dem unendlichen, unbegrenzbaren Nichts ein utopisches Land finden, wo er sich im erfüllten Raum und in vollkommener Zeit nochmals zu Hause fühlen kann. Der neuzeitliche Raum teilt mit dem Nichts meistens die Attribute: Leerheit, Undenkbarkeit, Unendlichkeit oder Gleichförmigkeit, so dass der Kampf gegen das Nichts eigentlich auch ein Kampf gegen den Raum selbst ist. Damit vergisst das Zeitalter das Sein, das durch die Stimme der Grundstimmung gehört werden kann, weil es das Unheimlichste geworden ist. Wir sind unwissentlich inmitten des Nichts im Ganzen leer gelassen und leben in einer metaphysischen Heimatlosigkeit.

Die Langeweile bleibt diese Sackgasse, die zwar Kennzeichnung der Vollendung der Metaphysik ist, die aber nur in ihrer reinen Negativität erfasst werden kann. Die Langeweile öffnet das Seiende im Ganzen als das leere Nichts und das Zeitalter als unter der Festhaltung des Nihilismus gestellt. Damit sind wir dem Nichts ausgeliefert, einem nichtenden Nichts, das das Sein völlig verhüllt und aus dem nur die Kraft der Vergessenheit kommen kann. Es ist hier in der wohlbekannten Szene einer verwüsteten Großstadt am Sonntagnachmittag, die uns nichts bietet und nichts bieten kann, welche selbst als Darstellung einer tiefen Langeweile von Heidegger gewählt wurde, wo man die wahre Bedrohung eines leergewordenen Raumes in seiner vernichtenden Kraft erfahren kann.

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