Forschungsarbeit: Die Bedeutung des Determinismus- Indeterminismus-Streits für das Strafrecht

Die Bedeutung des Determinismus- Indeterminismus-Streits für das Strafrecht

Über die Nichtbeachtung der Implikationen eines auf Willensfreiheit gegründeten Schuldstrafrechts

Strafrecht in Forschung und Praxis, Band 38

Hamburg 2004, 206 Seiten
ISBN 978-3-8300-1341-9 (Print)

Kriminalätiologie, Kriminologie, Nötigung, Präventionsstrafrecht, Rechtsphilosophie, Rechtswissenschaft, Schuldstrafrecht, Strafrecht, Willensfreiheit

Zum Inhalt

Der Determinismus-Indeterminismus-Streit beschäftigt das Strafrecht seit langem. Im Laufe der Zeit hat sich in der Strafrechtswissenschaft daher eine gewisse Ermüdung an der anscheinend unlösbaren Auseinandersetzung eingestellt. Darüber dürfen auch die Debatten nicht hinwegtäuschen, die von Vertretern anderer Wissenschaften, wie gegenwärtig etwa der Hirnforschung, an das Strafrecht herangetragen werden.

Mag die Diskussionsmüdigkeit der Strafrechtswissenschaft in Bezug auf den Determinismus-Indeterminismus-Streit als solchen auch verständlich sein, so darf diese jedoch nicht dazu führen, zugleich auch die Bedeutung dieses Streits für das Strafrecht aus dem Blick zu nehmen. Denn die Lösung des Determinismus-Indeterminismus-Streits ist keine akademische Frage, sondern hat weitreichende praktische Konsequenzen für die gesamte Strafrechtswissenschaft. Diese grundlegende Bedeutung des Determinismus-Indeterminismus-Streits für das Strafrecht ist aber bis heute nicht allgemein erkannt.

Zwar geht das deutsche Strafrecht von einem indeterministischen Menschenbild aus, also von der Willensfreiheit des Menschen. Der Straftäter wird nur dann bestraft, wenn er schuldhaft gehandelt hat, d. h., wenn er rechtmäßig hätte handeln können. Die Arbeit weist jedoch nach, dass die Implikationen eines solchen auf Willensfreiheit gegründeten Schuldstrafrechts nicht beachtet werden. Weder ist der Ausschluss präventiver Strafzwecke und kriminalätiologischer Forschung allgemein anerkannt noch wird im Rahmen der Dogmatik der Entschuldigung, der Nötigung, der Freiwilligkeit des Rücktritts vom Versuch sowie der Strafzumessung die Willensfreiheitsprämisse ernst genommen. Dabei macht die Arbeit zugleich deutlich, dass der Grund hierfür in der fehlenden intellektuellen Durchdringung des Determinismus-Indeterminismus-Streits zu sehen ist. Das zeigt sich etwa in der fatalistischen Fehldeutung des Determinismus, in der Nichtbeachtung der Trennung zwischen ontologischer und epistemischer Ebene bezüglich der Freiheitsfrage sowie insbesondere in der Annahme eines logisch unhaltbaren, auf intuitiven, alltagspsychologischen Vorstellungen beruhenden „relativen Indeterminismus“.

Seit dem Ausgang des Schulenstreits in Deutschland ist das Problembewusstsein immer mehr verlorengegangen. Die Arbeit hat daher zum Ziel, durch den Nachweis der Bedeutung des Determinismus-Indeterminismus-Streits das Problembewusstsein in dieser Hinsicht wieder zu wecken.



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