Doktorarbeit: Karrieren in der Lebensmitte

Karrieren in der Lebensmitte

Beitrag zur Theorieentwicklung anhand einer qualitativen Analyse

Personalwirtschaft, Band 47

Hamburg 2015, 560 Seiten
ISBN 978-3-8300-8024-4 (Print & eBook)

Ältere Mitarbeiter, Berufliche Perspektiven, Beschäftigungsfähigkeit, Demografie, Karriereforschung, Lebensmitte, Perspektiven, Psychologie, Wirtschaft

Zum Inhalt

Die demographische Entwicklung in vielen zentraleuropäischen Gesellschaften spricht dafür, dass auf dem Arbeitsmarkt ältere Erwerbspersonen mehr Beachtung gewinnen werden. Arbeitgeber müssen sich vermehrt mit der Gestaltung von Karrieren in der Lebensmitte befassen. Nur so werden das Leistungspotenzial und die Motivation von Mitarbeitenden bis zum ordentlichen Rentenalter angemessen ausgeschöpft und gefördert.

In der wissenschaftlichen Debatte besteht seit geraumer Zeit eine intensive Auseinandersetzung mit den Potenzialen älterer Personen. Die Praxis ist dagegen immer noch durch Jugendzentrierung und häufige Frühpensionierungen gekennzeichnet. Zugespitzt ausgedrückt erfreuen sich ältere Beschäftigte einerseits einer zunehmenden wissenschaftlichen Wertschätzung und andererseits einer nicht zu beschönigenden betrieblichen Geringschätzung. Das Buch widmet sich diesem Spannungsfeld.

Nach intensiver Auseinandersetzung mit der Fachliteratur kann die Autorin überzeugend herausarbeiten, dass ältere Personen über Kompetenzen verfügen, welche Arbeitgeber auf keinen Fall vernachlässigen sollten. Ältere Personen können aufgrund ihrer Lebenserfahrung und ihrer zunehmenden Wissensbasis Veränderungen ihrer körperlichen und kognitiven Leistungsfähigkeit in vielen Fällen soweit kompensieren, dass ihre berufliche Produktivität und Leistungsfähigkeit nicht zwangsläufig mit ansteigendem Alter nachlassen muss. Die Forscherin erkennt als Forschungslücke weit weniger die theoretische Analyse als den Mangel an empirischen Studien zur Identifikation und Gestaltung von Karrieren in der Lebensmitte.

Mit ihren eigenen Fallstudien bei vier Institutionen in der Schweiz trägt die Autorin zur Schliessung dieser Forschungslücke beitragen. Insgesamt ergibt sich dabei das Bild, dass die untersuchte Praxis sich noch nicht genügend mit den Karrieren in der Lebensmitte auseinander gesetzt hat. Karrieren werden häufig eng hierarchisch interpretiert, die Leistungsmöglichkeiten der älteren Beschäftigten werden nicht voll genutzt und die Verankerung der vielfältigen Karrieregestaltung auf der normativen, strategischen und operativen Ebene der Unternehmensführung ist nicht immer in ausgewogener Weise gelungen.

Die Autorin rundet ihre Studie mit Überlegungen für die Anwendung der erarbeiteten Erkenntnisse in der Praxis ab. In diesem Textteil stellt sie Fragen an die Gestalter in den Unternehmen, welche diese sich mit Blick auf ihre spezifischen Situationsbedingungen nach kritischer Reflexion selbst beantworten sollen.

Für solche Reflexionen bietet das vorliegende Werk vielfältige und wohlfundierte Anregungen. Auch die weitere Forschung kann aus diesem Beitrag zur Theorieentwicklung für Karrieren in der Lebensmitte beachtlichen Nutzen ziehen. Daher wird dieses Buch sowohl Personalpraktikern als auch Personalforschern zur Lektüre empfohlen.



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