Dissertation: Selbstkonzept und psychische Gesundheit von Jugendlichen mit Störungen des Sozialverhaltens

Selbstkonzept und psychische Gesundheit von Jugendlichen mit Störungen des Sozialverhaltens

Empirische Befunde und praktische Konsequenzen

Studien zur Kindheits- und Jugendforschung, Band 63

Hamburg 2012, 302 Seiten
ISBN 978-3-8300-6295-0 (Print), ISBN 978-3-339-06295-6 (eBook)

Aggression, Aggressiv-dissoziales Verhalten, Delinquenz, Empirische Studien, Erziehungswissenschaft, Gesundheitsforschung, Jugendforschung, Jugendliche, Psychiatrie, Psychische Störungen, Psychologie, Selbstbild, Selbstkonzept, Sonderpädagogik, Sozialverhalten, Verhaltensauffälligkeiten

Zum Inhalt

Aggressiv-dissoziales Verhalten von Jugendlichen ist ein weit verbreitetes Problem und erzeugt vielerorts erheblichen Handlungsdruck. Selten findet ein Blick hinter jene Fassade von Gewalt, Betrug und Zerstörung statt. Dabei könnte Kenntnis über das Selbstkonzept dieser Jugendlichen von entscheidender Bedeutung sein.

Das Buch beschreibt ein empirisches Forschungsprojekt der Abteilung für Beratung, klinische Psychologie und Gesundheitspsychologie an der Pädagogischen Hochschule Freiburg zum Selbstkonzept auffälliger Jugendlicher. Hierzu wurde das Selbst-, Ideal- und Fremdbild von männlichen und weiblichen Jugendlichen mit Störungen des Sozialverhaltens (vgl. ICD-10) mittels des Selbstkonzept-Inventars (Georgi & Beckmann, 2004) erhoben und mit Angaben unauffälliger Jugendlicher verglichen. Kooperationspartner waren mehrere stationäre Jugendhilfeeinrichtungen sowie Hauptschulen in Süddeutschland. Insgesamt wurden ca. 450 Jugendliche befragt.

Die Ergebnisse zeigen im Selbstbild signifikante Unterschiede zwischen den beiden Gruppen, wobei die Jugendlichen mit Störungen des Sozialverhaltens größere Unsicherheiten bezüglich ihrer Zukunft beschreiben und sich als weniger ordnungsliebend wahrnehmen. Ihre Anziehungskraft auf andere Jugendliche und ihre körperliche Attraktivität sehen sie dagegen als vergleichsweise hoch an. Besonders deutlich werden die Unterschiede zwischen den beiden weiblichen Gruppen. Daneben beschreiben die auffälligen Jugendlichen eine Vielzahl von psychischen Belastungen (u.a. Ängste, Depressionen, Konzentrationsschwierigkeiten), so dass von einer multimorbiden Symptomatik bei Jugendlichen mit Störungen des Sozialverhaltens ausgegangen werden kann. Die Ergebnisse werden vor dem Hintergrund der internationalen Selbstkonzeptforschung diskutiert.

Neben den Fragestellungen zum Selbstkonzept und zur psychischen Gesundheit wird die Konstruktion und testheoretische Prüfung des Freiburger Fragebogens zum Sozialverhaltens (FFSV) beschrieben. Dieses Instrument ermöglicht die quantitative Erfassung spezifischer Items zu fünf wesentlichen Merkmalen von Störungen des Sozialverhaltens (Raub & Diebstahl, Regelverstöße, Lügen, aggressives Verhalten und Sach?beschädigungen). In einer Überprüfung mittels der mehrdimensionalen Rasch-Analyse konnten diese fünf Dimensionen auch testtheoretisch bestätigt werden.

Im letzten Teil der Studie werden aus den Ergebnissen therapeutische Möglichkeiten zur Selbstkonzeptarbeit mit verhaltensauffälligen Jugendlichen abgeleitet und anhand von 21 Übungen konkret dargestellt.

Zum Autor

Pascal Fischer, Jg. 1980, Studium der Erziehungswissenschaften, Psychologie und Soziologie in Freiburg, 2006–2011 Promotion und Stipendiat der Landesgraduiertenförderung Baden-Württemberg, parallel Ausbildung zum Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten (Verhaltenstherapie) sowie Weiterbildung zum systemischen Paar- und Familientherapeuten. Langjähriger wissenschaftlicher Mitarbeiter und Lehrbeauftragter der Abteilung für Beratung, klinische Psychologie und Gesundheitspsychologie an der Pädagogischen Hochschule Freiburg. Seit 2007 tätig an der MediClin Klinik an der Lindenhöhe Offenburg, Klinik für Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie des Kindes- und Jugendalters.



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