Tagungsband: Das Tragische begreifen

Das Tragische begreifen

BOETHIANA – Forschungsergebnisse zur Philosophie, Band 94

Hamburg 2010, 248 Seiten
ISBN 978-3-8300-5304-0 (Print & eBook)

Arbeitslosigkeit, Armut, Ethik, Friedrich Nietzsche, Geschichtswissenschaft, Graham Greene, Hoffnung, Philosophie, Resilienz, Soziologie, Theologie, Tragik, Tragödie

Zum Inhalt

Das Tragische begleitet den Menschen. Es begegnet ihm in seinem persönlichen Erleben genauso wie in den fernen Tragödien über die tagtäglich aus aller Welt berichtet wird. Das Tragische war immer schon ein Stoff, der wissenschaftlich und künstlerisch verarbeitet wurde. Doch ist es etwas, das sich schwer fassen lässt, weil jeder Mensch es auf seine eigene Art und Weise erlebt, davon betroffen ist und verarbeitet. Das Tragische ist etwas Allgegenwärtiges.

Daher liegt es nahe, sich auf diese Vielgestaltigkeit des Tragischen einzulassen. Das ist ein Ziel dieses Sammelbandes. Er nähert sich den verschiedenen Formen und Ebenen des Tragischen aus unterschiedlichen Disziplinen. Die Philosophie befasst sich mit dem Begriff des Tragischen und versucht subtantielle Aussagen über das Tragische zu treffen. Mit diesen Fragen beschäftigten sich die Beiträge von Christopher Hamilton, Sebastian Gardner und Guillermo Lariguet, welche die Möglichkeiten und Schwierigkeiten eines Konzeptes und einer Theorie des Tragischen beleuchten. Weiters wurde das Tragische immer schon künstlerisch und kulturell verarbeitet. In Romanen, in Filmen und im Theater wird versucht dem Tragischen Ausdruck zu verleihen, es zu repräsentieren aber auch zu verarbeiten und dem Menschen näher zu bringen. Exemplarisch an den Romanen von Graham Greene nähert sich der Beitrag von Michael Girkinger dieser Dimension des Tragischen während sich der Beitrag von Thomas Riegler der Darstellung des Tragischen in den Melodramen „Crash“ und „Babel“ zuwendet. Auch in der Religion und Theologie ist das Tragische präsent. Der Entwurf einer biblischen Theologie des Tragischen ist so auch Thema des Beitrages von Markus Locker. Die Frage, wie angesichts des Tragischen Hoffnung und Trost möglich sein kann, verweist dann auf Möglichkeiten einer gelungenen Verarbeitung des Tragischen. Clemens Sedmak beleuchtet hierzu das Konzept der Resilienz, der Widerstandskraft, um es für eine Ethik der Hoffnung fruchtbar zu machen. Schließlich finden sich auch in moderne Gesellschaften Strukturen des Tragischen eingelassen, die exemplarisch an den beiden Polen von Arbeit und Arbeitslosigkeit sichtbar werden. Während der Beitrag von Michael Peitler die Veränderungen der Arbeitswelt hinsichtlich ihrer tragischen Auswirkungen untersucht, befassen sich die Überlegungen von Gottfried Schweiger mit den Auswirkungen von Arbeitslosigkeit und Armut auf die Betroffenen unter dem Aspekt des Tragischen.

Es geht in diesem Sammelband also um Reflexionen auf die Ideengeschichte und den Begriff des Tragischen: Wann ist etwas tragisch? Was kann tragisch sein? Was verstehen wir unter einer Tragödie? Anhand von Beispielen aus bildender und darstellender Kunst werden können Repräsentationen des Tragischen diskutiert werden. An ihnen wird deutlich, wie immer wieder aufs Neue versucht wurde und wird, das Tragische ästhetisch zu fassen und auch zu bewältigen. Was können wir aus bestimmten Romanen, Theaterstücken, Gedichten und Filmen über das Tragische lernen? Helfen sie uns auch, mit dem Tragischen umzugehen? Weiters geht es schließlich geht es um Lektionen über den Umgang mit dem Tragischen - auf einer persönlichen wie auch einer kulturell-gesellschaftlichen Ebene. Wie können und sollen wir mit Katastrophen umgehen? Wie sollen wir uns an Auschwitz erinnern? Wie kann eine Kultur mit Scheitern umgehen? Wo stoßen wir heute auf das Tragische? Welche Antworten auf das Tragische können, wollen und sollen wir geben?

Die Interdisziplinarität der versammelten Beiträge lässt also Konturen des Tragischen sichtbar werden, ohne dass sie versuchen das Tragische auf einen seiner Aspekte einzuschränken.



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