Doktorarbeit: Entwicklung, Bedürfnisse und Macht in der intensiven sozialpädagogischen Einzelbetreuung

Entwicklung, Bedürfnisse und Macht in der intensiven sozialpädagogischen Einzelbetreuung

Ein Beitrag zur Kinder- und Jugendhilfeforschung

Sozialpädagogik in Forschung und Praxis, Band 23

Hamburg , 502 Seiten

ISBN 978-3-8300-4462-8 (Print)
ISBN 978-3-339-04462-4 (eBook)

Rezension

[...] Die vorliegende Untersuchung ergänzt und bestätigt mittlerweile vorliegende andere Fallstudien und Evaluationsergebnisse. Die außerordentlich anschauliche und systematische Darstellung der Einzelfallverläufe zeigt, dass eine qualitative Studie zugleich empathisch und explorativ wie auch analytisch sauber gestaltet werden kann. Die Herangehensweise und die Prägnanz der Darstellung zeichnen diese Untersuchung in besonderer Weise aus. [...] [...] ist die hier vorgelegte Studie eine hilfreiche und sinnvolle Lektüre für diejenigen, die mehr über den Gegenstandsbereich Intensiver Sozialpädagogischer Einzelfallbetreuung erfahren möchten, wie auch für diejenigen, die eine Studie kennen lernen möchten, die als qualitative Evaluationstudie gut strukturiert und systematisch erarbeitet wurde.

Zum Inhalt

Mit diesem Buch wird die erste Längsschnittuntersuchung der intensiven sozialpädagogischen Einzelbetreuung vorgelegt. Damit wird eine Forschungslücke geschlossen. Der Verlauf und das Ergebnis von sechs Fällen aus der Jugendhilfe-Praxis wird sowohl aus der Sicht der Jugendlichen als auch aus der Sicht der SozialarbeiterInnen rekonstruiert und evaluiert. Die Erhebung erfolgt mittels Leitfaden-Interviews zu drei verschiedenen Zeitpunkten über einen Zeitraum von zwei Jahren. Außerdem wird jeweils ein Kurz-Interview mit der zuständigen Jugendamts-MitarbeiterIn geführt. Das umfangreiche Datenmaterial (1350 Seiten Transkript) wird in Anlehnung an die Qualitative Inhaltsanalyse nach Mayring ausgewertet.

Untersucht werden sechs Einzelbetreuungen im Umfang zwischen 8 und 13,5 Stunden pro Woche face-to-face. Die Hilfen finden überwiegend in der eigenen Wohnung des Jugendlichen, teilweise auch in der Familie des Jugendlichen statt.

Theoretischer Hintergrund dieser empirischen Untersuchung ist das Entwicklungsmodell von Uwe Uhlendorff, die Bedürfnistheorien von Klaus Grawe und von Werner Obrecht, sowie das Machtquellenkonzept von Silvia Staub-Bernasconi. Das professionelle Handeln der SozialarbeiterInnen wird zudem auf dem Hintergrund der Sozialen Arbeit als handlungswissenschaftliche Disziplin analysiert.

Die Studie erbringt eine Fülle von Hinweisen, die einerseits belegen, wie wirksam Einzelbetreuung sein kann. Es kann eindrücklich gezeigt werden, dass Einzelbetreuung eine Möglichkeit darstellt, Jugendliche, die aus extrem belasteten Lebensumständen kommen, dabei biographisch dramatische und traumatische Erfahrungen gemacht haben, bei der Bewältigung ihrer Entwicklungsaufgaben zu unterstützen, sie in der Hilfe und durch die Hilfe bedürfnisbefriedigende Erfahrungen machen zu lassen, und ihre gesellschaftlichen Integrationschancen zu erhöhen.

Die Untersuchung ergibt aber auch zahlreiche Hinweise, die aufzeigen, dass die Qualität des professionellen Handelns in der Einzelbetreuung vielfach verbesserungswürdig ist. Insofern ist das Buch auch als Kritik der Jugendhilfe zu verstehen.

Der Autor identifiziert die „neuralgischen Punkte“ der intensiven sozialpädagogischen Einzelbetreuung und gibt eine Reihe von Empfehlungen, auf welche Aspekte bei der Einrichtung und Durchführung dieser Hilfe zur Erziehung zu achten ist und wie die Jugendhilfepraxis verbessert werden könnte.

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