: Der europäische Bauernhof

Der europäische Bauernhof

Eine Trauerstudie

SOCIALIA – Studienreihe soziologische Forschungsergebnisse, Band 21

Hamburg 1997, 140 Seiten
ISBN 978-3-86064-543-7 (Print)

Bauernhof, Bauernstand, Europa, Kulturgeschichte, Menschheitsgeschichte, Sesshaftwerdung, Soziologie, Stammesgeschichte, Tradition

Zum Inhalt

Diese Buch sucht einen neuen Zugang zu dem, was als Bauernstand und Bauerntum in Verruf geraten ist. Es ist einfacher, aus den aufgegebenen Bauernhöfen einen nicht mehr benötigten Stand abzuleiten. Was dabei verloren geht, danach fragen jene nicht, welche die Seele des Bauernstandes niemals verstanden haben, denen seine Leistungen fremd geblieben sind. Umso eindringlicher öffnet dieses Werk die Augen. Die Höfe werden ja nicht einfach aufgegeben oder verlassen. Mit ihnen verschwindet ein wertvolles Kulturgut, so dass der Autor in seiner Einleitung von einer epochalen Zerstörung einer historischen Einrichtung ausgehen kann. Diese lässt sich in jedem europäischem Land nachweisen.

Heute sind Bauernhöfe, soweit sie sich nicht mit dem Gedanken der Schließung befassen, in reine Funktionshöfe zerfallen. Das Buch liefert hierfür anschauliche Beispiele und begründet, wie aus der Funktionalisierung neue Problemlagen entstehen. Mit der Besinnung auf die Verluste treten die Unersetzlichkeiten klar zutage. Der Kachelofen als Mitte des Hauses, das Bauernhaus selbst und der Bauerngarten haben den Menschen einmal aus seiner Naturbehändigkeit herausgeführt. Mit der gelungenen Bevorratung, mit dem intensiven Mensch-Tier-Natur-Bezug bei gleichzeitiger Kulturwendung hat der Mensch sich aus seiner selbst verschuldeten Unmündigkeit zu befreien vermocht.

Das Werk lässt keinen Zweifel am Verdienst des Bauernstandes. Mit ihm konnte die Menschheit aus der Erpressung durch die Natur ausscheren. Über die Nachbarschaftshilfe und mit der Familie gelang so etwas wie ein Ausscheren aus der Hordenmentalität und der Aufbau höherer Sozialformen. Bauern haben sich niemals Energie und sich stets erneuerbaren Energieformen besonders verpflichtet gesehen. Die Tiere waren nicht nur Lebens- und Nahrungsmittel, sondern auch Freund und Mitgeschöpf. Und solange es Bauernhöfe in herkömmlicher Art gab, konnte es keine Umweltverschmutzung geben, sondern nur die umweltfreundliche Nutzung aller Ressourcen.

Was bleibt ist der wehmütige Rückblick und die vage Hoffnung, dass der moderne Mensch seine Zukunft vielleicht wieder mehr in den Errungenschaften des Bauernstandes finden sollte, denn was in mehr als 7000 Jahren an Kulturleistung gewachsen ist, dieser Erfahrungsschatz bedarf der vielseitigen Hebung und umfassenden Integration, damit die künftige Menschheit überlebensfähig bleiben kann.



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