Forschungsarbeit: Die Böhmischen Brüder und die „Rechenschaft des Glaubens“ von Jan Augusta (1533)

Die Böhmischen Brüder und die „Rechenschaft des Glaubens“ von Jan Augusta (1533)

Der Wittenberger Druck zwischen Böhmischer und Lutherischer Reform

Studien zur Kirchengeschichte, Band 16

Hamburg 2013, 128 Seiten
ISBN 978-3-8300-6977-5 (Print & eBook)

Rezension

[...] Es ist sehr zu begrüßen, dass der Autor mit diesem Buch im Vorfeld des Reformationsjubiläums den Blick auf unser Nachbarland lenkt und das Reformationsgeschehen dort im europäischen Kontext zeigt. Mit dem Nachdruck der "Rechenschaft des Glaubens" im zweiten Teil des Buches wird zudem ein reformationsgeschichtlich bedeutender Text dem deutschen Leser wieder zugänglich gemacht.

Enno Haaks, in:
Gustav-Adolf-Blatt, 2/2014

Böhmische Brüder, Herrnhuter Brüder, Jan Augusta, Ketzer, Kirchengeschichte, Liturgie, Lukas von Prag, Martin Luther, Mediävistik, Peter, Philosophie, Pikarden, Rokycana, Theologie, Universalien, Utraquisten

Zum Inhalt

Jan Augusta (1500–1572), ein Prager Hussit, der an die Kommunion unter beiderlei Gestalten glaubt (Utraquismus), von Beruf Hutmacher, geht als 24-jähriger zu den Böhmischen Brüdern, wo er später Bischof wird. 1533 verfaßt er die „Rechenschaft“, auch, um sich gegen Zwinglis testamentarische Auffassung der Eucharistie abzusetzen. Von 1548 bis 1564 sitzt Augusta auf Burg Pürglitz (Böhmen) im Kerker. Er teilt damit das Schicksal vieler Brüder. Denn die „Pikarden“, wie sie noch Luther nennt, tragen einen Schimpfnamen, der sich von Auswanderern aus der Pikardie ableitet, die 1418 nach Prag kamen. In dem aufgewühlten Klima der Stadt schwindet ihnen gegenüber die anfängliche Freundlichkeit rasch. Unter den Hussiten und ihren Untergruppen (Calixtiner, Wyclifiten, Utraquisten usw.), ja, selbst im Vergleich mit den Katholiken, gelten sie als solche, die das umstrittene Sakrament nicht ernst nehmen. Bis auf einzelne Hostienfrevler verliert sich dann ihr Schicksal, bis sie 1422 als Gruppe auf Tabor auftauchen. Inzwischen aber gerät Böhmen in den Strudel von vier (vergeblichen) Kreuzzügen der Reichsheere (1420–1434). In dieser schweren Zeit sucht ein Kenner der verschiedenen Gruppen und ihrer Vertreter, ein gewisser Rokycana, so etwas wie den roten Faden eines friedlichen Weges. Ihm schwebt eine neue, universale, friedliche Kirche vor, die selbst früher Gewaltbereite, oder auch Utopisten wie die Adamiten, die nach einem neuen Paradies streben, mit anderen „Sektierern“ und mit der Alten Kirche vereint. Sein Neffe Peter gründet dann mit anderen 1457/58 in Kunwald diese Partei des Friedens. Fortan gibt es die Böhmischen Brüder um die Orte Leitomischl, Jungbunzlau, Fulnek und Landskron. Sie sind immer wieder den Launen ihrer meist katholischen Herren ausgesetzt. Selbst Humanisten, z.B. ein gewisser Käsebrod, und ein gewisser Graf Bohuslav von Lobkowicz, spielen den Olmützer Bischof gegen sie aus, so daß sie in ihrer böhmischen Heimat von 1508 bis 1609 außerhalb des Rechts stehen. Denn, so heißt es immer wieder: Sie lehnen es ab, den weltlichen Eid mit Berufung auf Gott zu leisten. Nun haben sie bereits 1470/80 Zuzug von Waldensern aus Brandenburg und Österreich. Sie sind also längst nicht mehr einsprachig. So geht ihr Blick oft hinüber in das Nachbarland Schlesien, das Freiheit verspricht. Aber nachdem noch 1650 ihr Bischof COMENIUS, zwei Jahre nach dem Westfälischen Frieden, seine „Sterbende Unität“ beklagt hatte, finden sie erst 1722 in der Lausitz eine Zuflucht: Graf NIKOLAUS VON ZINZENDORF (1722–1727) siedelt sie auf seinen Gütern um Herrnhut an. Auch in den späteren USA bemüht er sich um sie. So gibt es heute die HERRNHUTER weltweit, aber schon mit langer Tradition auch in Georgia und in Pennsylvania, „unter den Puritanern“, die auch einmal Flüchtlinge waren.



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