Doktorarbeit: Beschützer der Stadt bei Gott und in den Stürmen der Welt

Beschützer der Stadt bei Gott und in den Stürmen der Welt

Vergleichende Studien zur bischöflichen Herrschaft in Gallien und Italien im 4. und 5. Jahrhundert

Studien zur Geschichtsforschung des Altertums, Band 23

Hamburg , 562 Seiten

ISBN 978-3-8300-6522-7 (Print)
ISBN 978-3-339-06522-3 (eBook)

Zum Inhalt

Die Entwicklung des Bischofsamtes in der Spätantike illustriert besonders einprägsam die durch Konstantins Hinwendung zum Christentum entstandene Verbindung von römischem Staat und christlicher Kirche. Schon der erste christliche Kaiser verlieh den Leitern der Gemeinden eine Sonderstellung: Sie waren nicht nur von Steuerpflichten und Wehrdienst befreit, sondern auch der weltlichen Gerichtsbarkeit entzogen. Darüber hinaus erhielten die Bischöfe selbst Urteilsbefugnis in Zivilsachen und bei Freilassungen von Sklaven. Auch konnten sie von der Staatsgewalt Verfolgten auf kirchlichem Boden Asyl gewähren.

Mit dem Einsetzen der „Völkerwanderung“ und dem Niedergang der städtischen Führungsschicht der Kurialen nahm der Einfluss der Bischöfe auf die kommunalen Angelegenheiten zu. Unter dem Zwang der Verhältnisse übernahmen die Leiter der christlichen Gemeinden jetzt mehr und mehr weltliche Aufgaben bis hin zur Organisation der militärischen Verteidigung „ihrer“ Stadt.

Die skizzierte Entwicklung verlief allerdings keineswegs überall einheitlich. Zwischen den einzelnen Regionen bestanden vielmehr große Unterschiede. Diese werden in der Studie erstmals systematisch vergleichend untersucht; mit Gallien und dem nördlichen Italien (Italia annonaria) stehen die beiden Kernregionen des Westreiches im Mittelpunkt. In den Blick genommen wird der Zeitraum von der Mitte des 4. bis zur Mitte des 5. Jahrhunderts.

Dabei wird deutlich, wie die Verschiedenheit einiger zentraler Faktoren zu ganz unterschiedlichen Ausprägungen bischöflicher Herrschaft führte. Von größter Bedeutung waren die jeweiligen äußeren Rahmenbedingungen. In Gallien wurden die Einrichtungen der staatlichen Verwaltung durch die Einfälle der Germanen vielerorts weitgehend zerstört. In Italien dagegen blieben die Strukturen des spätrömischen Reiches bis zum Untergang der Ostgotenherrschaft im 6. Jahrhundert im Wesentlichen intakt. Da die Angehörigen der gallischen Oberschicht früher als ihre italischen Standesgenossen den christlichen Glauben angenommen hatten, führte ihr Weg im 5. Jahrhundert vielfach auf die Bischofsstühle, während die Senatoren in Italien weiterhin weltliche Karrieren nach traditionellem Muster bevorzugten. Die für Gallien charakteristische „Bischofsherrschaft“ ist deshalb in Norditalien im Untersuchungszeitraum nicht ausgeprägt.

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