Forschungsarbeit: Das Trottoir als Galerie

Das Trottoir als Galerie

Ein Beitrag zur soziologischen Theorie der Street Art

SOCIALIA – Studienreihe soziologische Forschungsergebnisse, Band 105

Hamburg , 150 Seiten

ISBN 978-3-8300-4433-8 (Print)
ISBN 978-3-339-04433-4 (eBook)

Zum Inhalt

In den vergangenen Jahren wurde viel über Street Art publiziert; bislang jedoch vor allem Bildbände. Es fehlt ein analytischer Zugang zum Phänomen, der nicht an der Oberfläche des Kunstwerks verweilt und sich auch nicht mit einer Einordnung im Szenenkanon der Jugendkultur zufrieden gibt. Dass Street Art sich im Kontext der städtischen Hektik überhaupt bemerkbar macht, ist keineswegs selbstverständlich. Wie verwandelt sich ein Passant in einen Kunstbetrachter? Hier sind vielfältige kulturhistorische und soziale Bedingungen vorausgesetzt. Neben Vorläufern aus der Geschichte der Kunst gehören dazu soziale Konstruktion von Öffentlichkeit und Privatheit, der Typus des Flaneurs, die situationistische Praxis des Dérive sowie verschiedene Formen des Protests, von denen die Reclaim-The-Streets-Party näher untersucht wird. Diese Aspekte können jedoch keine abschließende Antwort auf die zentrale Frage geben, wie Street Art funktioniert. Die Mittel der Luhmannschen Systemtheorie, deren Anwendung sich für die Beantwortung einer so gestellten Frage anbietet, werden zunächst kritisch reflektiert. Dabei kommt auch zur Verhandlung, ob Street Art regulär auf die Strukturen des Kunstsystems zugreift oder diese parasitär, also schädigend nutzt, indem sie die Kunst in populäre Schranken weist. Die Autorin erweitert die Systemtheorie um Begriffe, welche die Prozesse der Kunstkommunikation kleinteilig zu dekomponieren vermögen: Die bislang noch nicht auf Kunst angewandte Interaktionstheorie von Jürgen Markowitz wird herangezogen.

Die Kunstsoziologie ist im deutschsprachigen Raum nur schwach vertreten und befasst sich zumeist mit Fragen der Statusproduktion und der institutionellen und biographischen Kontexte. Die Autorin unterbreitet der Disziplin den Vorschlag, ihre theoretische Leistungsfähigkeit zu steigern und Phänomene der Kunst nicht ausschließlich der Kunstwissenschaft zu überlassen.

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