Doktorarbeit: Bedientrainings für ältere Nutzer von Informations- und Kommunikationstechnologien

Bedientrainings für ältere Nutzer von Informations- und Kommunikationstechnologien

Ansätze für eine bedarfsorientierte Trainingsgestaltung

Schriften zur Arbeits-, Betriebs- und Organisationspsychologie, Band 41

Hamburg 2008, 574 Seiten
ISBN 978-3-8300-3619-7 (Print & eBook)

Ältere Erwachsene, Akzeptanz, Bedienkompetenzen, Bedientraining, Computerexpertise, IKT, Informations- und Kommunikationstechnologien, Informationstechnologie, Kommunikationstechnologie, Mensch-Technik-Interaktion, Performanz, Psychologie, Räumliches Vorstellungsvermögen, Training

Zum Inhalt

Zu alt für neue Technik?

Angesichts der wachsenden Verbreitung von Informations- und Kommunikationstechnologien (IKT) und der vielfältigen Anwendungspotentiale für ältere Nutzer (z.B. eHealth- und Smart Home Technologies, Fahrassistenzsysteme) stehen vor allem ältere Erwachsene vor der Herausforderung, den kompetenten Umgang mit IKT zu erlernen. Dies ist jedoch oftmals extrem frustrierend, zeit- und fehlerintensiv, da gängige Bedienungsanleitungen nicht auf die spezifischen Bedürfnisse älterer Nutzer abgestimmt sind. In dieser Studie wurden daher bedarfsorientierte Bedientrainings entwickelt und evaluiert, um ältere Erwachsene beim Erwerb von Bedienkompetenzen im Umgang mit IKT zu unterstützen. Ihre Befunde liefern eine theoretisch und empirisch abgesicherte Basis zur Planung, zum Design, zur Durchführung und zur Evaluation von Bedientrainings für ältere Nutzer von IKT.

Ausgehend von einem Trainingsdesign-Prozessmodell wurde zuerst eine empirische Bedarfsanalyse durchgeführt, die Hinweise auf Zielgruppen, Lernbarrieren und Trainingsinhalte ergab. Eine Person- und Systemanalyse führte zur Identifikation von erfolgsrelevanten Fähigkeiten für den Erwerb von Bedienkompetenzen bei älteren Lernenden: der Computerexpertise und dem räumlichen Vorstellungsvermögen. Ausgehend vom Ansatz der „kompensatorischen Passung“, wonach Defizite auf Nutzerseite durch geeignete Mediatoren ausgeglichen werden sollen, wurden bedarfsgerechte Bedientrainings entwickelt und bei jüngeren und älteren Erwachsenen empirisch evaluiert. Dabei handelte es sich um Ansätze zur Vermittlung prozeduralen Wissens (Schritt-für-Schritt-Anleitung), konzeptuellen Wissens (Bedienkonzept-Anleitung) und räumlichen Wissens (System-Exploration und Übersichtskarten-Anleitung), um repetitive (wiederholende Übung) und aktive Lernstrategien (Lernen durch Fragenstellen) sowie um ein analogiebasiertes Training. Darüber hinaus wurde die Zielgruppe älterer Erwachsener hinsichtlich ihrer Nutzerdiversität untersucht und es wurde eine Kosten-Nutzen-Analyse der Bedientrainings vorgenommen. Der höchste Lernerfolg bei geringsten Trainingskosten wurde nach dem analogiebasierten Training erzielt, darüber hinaus waren die evaluierten Bedientrainings im Sinne eines „Trainingsdesign for all“ auch für jüngere Nutzer geeignet.

Die Studie zeigt, dass die aktuelle Generation älterer Erwachsener ein interindividuell stark unterschiedliches Profil an kognitiven Fähigkeiten, technikbezogenen Einstellungen und Erfahrungen besitzt. Bei der Untersuchung von altersbezogenen Fragestellungen in der Mensch-Technik-Interaktion muss diese Heterogenität in einem nutzerzentrierten, partizipativen Ansatz berücksichtigt werden, da nur auf diesem Wege die Entwicklung von wirkungsvollen Trainings- und Designinterventionen möglich ist.



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