Magisterarbeit: Die traditionellen Autoritäten und der Staat in Guinea-Bissau

Die traditionellen Autoritäten und der Staat in Guinea-Bissau

Zum Beziehungsverhältnis seit Beginn des Demokratisierungsprozesses

Schriften zur internationalen Politik, Band 9

Hamburg , 186 Seiten

ISBN 978-3-8300-1578-9 (Print)
ISBN 978-3-339-01578-5 (eBook)

Zum Inhalt

Die Situation Guinea-Bissaus steht exemplarisch für viele Länder Afrikas: Parallel zum postkolonialen Staat mit eurozentrischen Verfassungsprinzipien und Rechtssystemen existieren afrikanische politische und rechtliche Traditionen. In den letzten Jahren gibt es in Afrika vermehrt die Tendenz, lokale nicht-europäische Rechtsordnungen und traditionelle Autoritäten in das staatliche System einzubinden, oder sie zumindest stärker zu berücksichtigen.

Die Arbeit, die auf einer mehrmonatigen Feldforschung und vielen vorangegangenen Reisen der Autorin in Guinea-Bissau beruht, analysiert den Bedeutungszuwachs der traditionellen Autoritäten seit Einführung eines demokratischen Mehrparteiensystems zu Beginn der 1990er Jahre. Es wird ein Einblick in die Interaktionen zwischen den traditionellen Autoritäten und den staatlichen Akteuren in der lokalen Verwaltung, der Konfliktschlichtung und der Rechtsprechung gewährt. Dabei lässt die Autorin sowohl VertreterInnen von staatlichen Behörden als auch VertreterInnen von traditionellen Institutionen zu Wort kommen.

Die traditionellen Autoritäten im Süden Guinea-Bissaus, im Forschungsgebiet der Autorin, legitimieren sich über ihre Ahnen und die historische Landnahme. Durch eine eingehende Darstellung der Zusammenhänge zwischen den traditionellen Rechtsauffassungen und den spirituellen, religiösen Bereichen, führt die Autorin den Leser/die Leserin besonders nahe an die Wahrnehmungs-, Denk- und Handlungsweisen der einzelnen AkteuerInnen im lokalen politischen System heran. Zudem werden die historischen Prozesse aufgezeigt, die die gegenwärtige Situation verstehbar werden lassen.

Eines der sehr interessanten Ergebnisse dieser Arbeit: Die Kompetenzaufteilung zwischen staatlichen Behörden und traditionellen Autoritäten ist in Cacine, dem Forschungsgebiet der Autorin, deutlich abgegrenzt. Konflikte um Grund und Boden werden von den traditionellen Institutionen gerichtet, genauso Erbschafts- und Ehestreitigkeiten, kleinere Diebstähle und Betrug. Sobald jedoch „Blut fließt“, also bei schwerer Körperverletzung und Totschlag, werden staatliche Behörden eingeschaltet, ebenso bei Betrug und Diebstahl, wenn es sich um hohe Geldbeträge handelt.

Obwohl staatliche Behörden und traditionelle Autoritäten aufeinander angewiesen sind und konstruktive Zusammenarbeit vereinzelt existiert, bleibt das Beziehungsverhältnis spannungs- und konfliktgeladen, wie sich besonders im Bereich der Landrechte abzeichnet.

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