: Importregulierungen und Stabilität internationaler Kartelle

Importregulierungen und Stabilität internationaler Kartelle

Schriftenreihe volkswirtschaftliche Forschungsergebnisse, Band 34

Hamburg , 272 Seiten

ISBN 978-3-86064-642-7 (Print)

Zum Inhalt

In dieser Arbeit geht es um die Frage, ob Importzölle und Importquoten geeignet sind, bestehende Kartelle aufzubrechen und das Entstehen von Kartellen zu verhindern. Die traditionelle Auffassung ist, dass Importliberalisierung den internationalen Wettbewerb fördert. Neuere Studien brachten hingegen das Ergebnis, dass relativ schwach restriktive Importregulierungen eine Erhöhung der Kartellstabilität, einschneidende Regulierungsmaßnahmen hingegen eine Abnahme der Kartellstabilität verursachen. Die Arbeit weist nun nach, dass Importregulierungen stark situationsabhängig wirken und sich ein einfaches, allgemeingültiges Ergebnis nicht herleiten lässt. Die Auswirkungen von Importregulierungen auf den Wettbewerb sind daher schwer voraussehbar.

Ausgangspunkt der modelltheoretischen Analyse ist ein stationäres Superspiel, in dem ein inländisches und ein ausländisches Unternehmen auf dem Inlandsmarkt ein homogenes Gut anbieten. Die Anbieter versuchen, durch eine Mengenfixierung den Markt zu kartellieren. Solche Wettbewerbsabsprachen sind jedoch inhärent bedroht; denn durch Abweichungen von der Kartellvereinbarung kann eine Firma ihren Gewinn auf Kosten des anderen Kartellmitglieds erhöhen.

Die Entscheidung zur Bildung und Aufrechterhaltung eines Kartells wird als eine individuelle Investitionsentscheidung des jeweiligen Kartellmitglieds dargestellt. Ob ein Kartell zustandekommt, hängt davon ab, ob für jeden Anbieter die Einhaltung der Kartellvereinbarung gegenüber der Gegenstrategie der einseitigen Abweichung gemessen am Kapitalwert vorteilhaft ist. Wegen der Anreize, eine Kartellvereinbarung zu brechen, sind kartellstabilisierende Bestrafungsmechanismen ein notwendiger Bestandteil einer Kartellvereinbarung. In diesem Buch wird - als Alternative zur üblichen Cournot-Nash-Bestrafung - eine teilspielperfekte, sogenannte Stackelberg-Bestrafung neu entwickelt, die einfache Handhabung mit größerer Bestrafungswirksamkeit verbindet.

Die Kartelltreue einer Firma kann an einem kritischen Zinsfuß im Vergleich zu ihrem Kalkulationszinsfuß gemessen werden. Der kritische Zinsfuß wird als Minimum verschiedener Zinsfüße hergeleitet. Je größer der kritische Zinsfuß ist desto wahrscheinlicher ist es, dass sich der Anbieter für die Einhaltung der Kartellvereinbarung entscheidet. Der kritische Zinsfuß kann folglich als intervallskaliertes Maß der individuellen Kartelltreue interpretiert werden. Eine Aggregation dieser individuellen Maße zu einem überindividuellen Maß „Kartellstabilität“ ist häufig möglich. Ein wichtiges Ergebnis dieser die Außenhandelstheorie mit der Spieltheorie verbindenden Arbeit ist, dass sich Kartellstabilität nicht an äußerlichen, leicht beobachtbaren Kriterien festmachen lässt, sondern an investitionstheoretischen Maßstäben, die etwas über die Erfolgsaussichten des Kartells bei Änderung bestimmter Rahmenbedingungen aussagen.

Ihr Werk im Verlag Dr. Kovač

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