: There should  be one grave opposite the other

There should be one grave opposite the other

Blutrachepraxis bei den Beduinen in Nordarabien

SOCIALIA – Studienreihe soziologische Forschungsergebnisse, Band 12

Hamburg , 220 Seiten

ISBN 978-3-86064-395-2 (Print)

Zum Inhalt

Mit „There should be one grave opposite the other grave“ kündigt der Beduine seine Rache für ein getötetes Familienmitglied an und folgt dem Ausspruch aus Lev 24,20 „Auge für Auge, Zahn um Zahn“. Kaum ein Mitteleuropäer kann sich vorstellen, in einem Tötungsdelikt selbst zur Blutrache zu greifen. Die Praktizierung dieses alten Rechts gilt als unmenschlich und unzivilisiert. Auf der anderen Seite gibt es Belege von Reisenden und Forschern in Nordarabien, dass sich Blutrache durchaus positiv auf die Solidarität der Stammesmitglieder sowie auf die Beziehungen der Stämme untereinander auswirken kann.

Wie ist solch ein Widerspruch in den Auffassungen zur Blutrache zu erklären? Was steckt hinter diesem Blutrachebegriff, der auch heute noch die Gemüter bewegt? Diese Untersuchung schafft einen Überblick über die Blutrachepraxis in vorislamischer Zeit und bei den heutigen Beduinen bzw. in den Ländern Nordarabiens.

Zunächst steht die Bedeutung des Blutes in seinen religiösen und spirituellen Vorstellungsweisen im Vordergrund. Welche Auswirkungen ein Mord oder Totschlag auf das Blut, den nächsten Verwanden des Opfers und auf den Schuldigen hat, zeigen anschauliche Beispiele.

Anhand von Auszügen aus der vorislamischen Literatur lässt sich das Blutrachegeschehen vor dem Islam aufzeigen. Rache wird von einem bestimmten Familienmitglied unter Berücksichtigung verschiedener Regeln und Beschränkungen am Täter ausgeführt. Es stellt sich jedoch die Frage, ob die Authentizität dieser heldenhaften Erzählungen als Maßstab für den Vollzug der Blutrache in vorislamischer Zeit gelten kann. Als Vergleich bietet sich aufgrund der tribalen Gesellschaftsstruktur die Blutrachepraxis im Alten Testament an.

Anschließend werden die Bestimmungen in der „Gemeindeordnung“ von Medina und die Ausführungen zur Blutrache innerhalb von Hadith und Qur’an beleuchtet. Die Verordnungen zeigen, dass ein Ansatz zur Weiterentwicklung im Strafbegriff z.B. in der Unterscheidung von Willkür und Fahrlässigkeit wahrnehmbar ist. Der Qur’an richtet sich ebenfalls gegen die Blutrache als Privatangelegenheit der Erben des Opfers. Ein religiöses Gericht soll den Vollzug des Urteils überwachen, wobei dem Rächer auch andere Kompensationsmöglichkeiten angeboten werden.

Beispiele zeigen, dass auch aufgrund fortschreitender Sesshaftwerdung und der Konflikte zwischen Beduinen und Bauern schnelle Ausgleichs- und Versöhnungsverhandlungen stattfinden, um Blutrache einzuschränken. Das tatsächliche Ausmaß der Blutrachedelikte wird offenbar.

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