: Wiedervereinigungspolitik im Widerstreit

Wiedervereinigungspolitik im Widerstreit

Einwirkungen und Einwirkungsversuche westdeutscher Entscheidungsträger auf die Deutschlandpolitik Adenauers von 1949 bis zur Genfer Viermächtekonferenz 1959

POLITICA – Schriftenreihe zur politischen Wissenschaft, Band 7

Hamburg 1993, 366 Seiten
ISBN 978-3-86064-091-3 (Print)

DDR, Deutschlandpolitik, Einheit, Genfer Konferenz, Konrad Adenauer, Oder-Neiße-Grenze, Politikwissenschaft, Viermächtekonferenz, Westalliierte

Zum Inhalt

Die erfolgreiche Wiedervereinigung Deutschlands am 3. Oktober 1990 scheint die Folgerichtigkeit der Adenauerschen Deutschlandpolitik bestätigt zu haben. Tatsächlich aber war sein Ansatz, die konsequente Westintegration der jungen Bundesrepublik, bis weit in die 50er Jahre hinein umstritten, weil sie Mittel einer gegen die Sowjetunion gerichteten militärischen Eindämmungspolitik war und damit die Einheit zu verhindern schien.

Von maßgeblichen westdeutschen Politikern, aber auch in den Hauptstädten der Westalliierten sind daher immer wieder Alternativen zur offiziellen Sicherheits- und Deutschlandpolitik ins Gespräch gebracht worden. Die zeitgeschichtliche Forschung hat diese Gegenvorstellungen lange Zeit unterschätzt und lediglich als Hindernisse für eine Politik ohne tatsächliche Alternative geschildert.

Diese Studie geht den Widerständen gegen die Deutschlandpolitik Konrad Adenauers erstmalig in ganzer Breite nach. Sie schildert und bewertet Vorstöße aus dem Kabinett, dem jeweiligen Regierungsparteien und den Bonner Ministerien vor dem Hintergrund korrespondierender Tendenzen bei den Siegermächten des Zweiten Weltkrieges.

Vor allem zwei Ergebnisse werden herausgearbeitet:

  • 1) Alternative Vorstellungen waren weniger vom Modell einer gesamtdeutschen Neutralität beeinflusst, sondern griffen auf Maximen der Stresemannschen Außenpolitik zurück. Die Westbindung sollte so ausgestaltet werden, dass sie Raum für substantielle Sicherheitsvereinbarungen mit der Sowjetunion ließ.
  • 2) Eine andere Deutschlandpolitik wurde von mehr Politikern und Beamten länger und nachhaltiger gefordert, als bisher bekannt war. Der richtige Weg zur Einheit war bis zur Genfer Viermächtekonferenz 1959 Gegenstand ständiger Auseinandersetzungen - zeitweise auch in der unmittelbaren Umgebung Adenauers - und beschränkte sich nicht auf wenige spektakuläre Anlässe.

Erst vor und während dieser Konferenz, einer Folge des sowjetischen Berlin - Ultimatums, reifte die Einsicht, dass eine Wiedervereinigung auf absehbare Zeit weder auf die eine noch auf die andere Weise zu erreichen war. Deutschlandpolitik bestand fortan darin, die Folgen der Teilung zu mindern.



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