Doktorarbeit: Heimatkonzepte und Bindung

Heimatkonzepte und Bindung

Ein Beitrag zur soziokulturellen Erweiterung der Bindungstheorie

Studienreihe psychologische Forschungsergebnisse, Band 173

Hamburg 2014, 300 Seiten
ISBN 978-3-8300-7627-8

Bindungstheorie, Heimat, Identität, Individualismus, Kollektivismus, Psychologie, Selbstentwicklung, Werte

Zum Inhalt

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Mit der Bindungstheorie Bowlbys wurden Variationen sicherer und unsicherer Bindungen von Individuen an nahe Bezugspersonen beschrieben. Im Rahmen der Abhandlung konnte nachgewiesen werden, dass Heimat bei unsicher gebundenen Personen, mehr als bei anderen, als ein Bindungsobjekt im symbolisierten Sinne fungiert. Das wurde so bisher nur für Bindungen an religiöse und politische Anschauungen nachgewiesen. Die in den dargestellten Untersuchungen gewonnene Erkenntnis, dass Ortswechsel als Belastungssituation und Verunsicherung wahrgenommen wird, kann ebenfalls als Hinweis für Bindung an Heimat gelten. Teilnehmer einer umfassenden Untersuchung hatten entsprechend ihrem Bindungsmuster unterschiedliche Heimatprofile. Die Untersuchung bestätigt bestehende Überlegungen, dass Individuen nicht nur ein Bindungsobjekt besitzen. Sie bilden Hierarchien von wichtigen Bindungsobjekten und darunter nehmen auch symbolische Bindungsobjekte, wie Heimat, einen wichtigen Platz ein. Obwohl Bindungsmuster angeboren sind, zeigten sich entlang des kulturellen Wertesystems Kollektivismus – Individualismus unterschiedliche quantitative Ausprägungen von Bindungsverhaltensmustern, d.h. Bindungsmuster sind offensichtlich nicht – angenommen – in allen Kulturen gleich verteilt, sondern es bestehen quantitative kulturelle Unterschiede in der Häufigkeit des Vorkommens der Bindungsmuster entsprechend der Kultur. Das wurde an einer Stichprobe mit 815 Teilnehmern aus 13 Bundesländern Deutschlands bestätigt.

Mit der Studie wird erstmals ein validierter Fragebogen zum Thema Heimat vorgestellt. Faktorenanalytisch konnte nachgewiesen werden, dass Heimat mit den Faktoren „Bindung“, „Werte“, „Ortsbindung“ und „Selbstkonzept“ beschreibbar ist. Heimat kann ferner definiert werden als ein Konglomerat von personalen und symbolischen Bindungsobjekten. Im Buch wird eine interessante Zusammenfassung bindungsdiagnostischer Instrumente geliefert. Zusätzlich wird der Heimatbegriff unter soziologischen, psychologischen, geschichtlichen und sozialgeographischen Aspekten dargestellt und definiert.



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