Doktorarbeit: Die Relativität der Macht – Clinton, die Generäle und die „Krise“ der zivil-militärischen Beziehungen in den USA

Die Relativität der Macht –
Clinton, die Generäle und die „Krise“ der zivil-militärischen Beziehungen in den USA

Eine neo-institutionalistische Analyse und Neubewertung

Schriften zur internationalen Politik, Band 32

Hamburg 2012, 390 Seiten
ISBN 978-3-8300-6338-4 (Print), ISBN 978-3-339-06338-0 (eBook)

Anreizstruktur, Armee, Bill Clinton, Krise, Leadership, Macht, Militär, Militärische Interventionen, Neo-Institutionalismus, Pfadabhängigkeit, Politische Wissenschaft, Prinzipal-Agent-Beziehung, USA, Zivil-militärische Beziehungen, Zivile Kontrolle

Zum Inhalt

Wer bewacht die Wächter? Das Verhältnis von ziviler Politik und Militär zählt seit jeher zu den brisantesten Delegationsbeziehungen überhaupt. Wie kann die Politik als Prinzipal (Auftraggeber) sicherstellen und kontrollieren, dass das Militär als ihr dienender Agent die übertragenen Aufgaben gehorsam, effizient und effektiv erfüllt? Diese Problematik gilt auch für die USA, etablierte Demokratie und führende Militärmacht in der Welt.

Aufgrund ihrer besonderen Natur ist die Militärpolitik i.d.R. ein Feld kontroverser Entscheidungen mit weitreichenden Konsequenzen: Die Resultate richten mitunter buchstäblich über Leben und Tod. Folglich sind trotz klar definierter Entscheidungsregeln und -kompetenzen die tatsächlichen Entscheidungsprozesse geprägt durch ein intensives Ringen um Einfluss und Macht hinter den Kulissen – die faktische Ausgestaltung der zivilen Kontrolle ist in hohem Maße abhängig von Interessensgegensätzen, Informationsasymmetrien und bürokratischen Manipulationstechniken. Die jüngsten Querelen im Zuge der Kriege im Irak und in Afghanistan illustrieren die praktischen Herausforderungen der Durchsetzung ziviler Suprematie in der Realität.

Konflikte zwischen Zivilen und Militärs sind indes kein Novum: Vor allem unter Bill Clinton galt nach breiter Auffassung in Forschung und Medien das Verhältnis als so katastrophal, dass eine „Krise“ der zivil-militärischen Beziehungen und gar die Erosion der zivilen Kontrolle konstatiert wurden. Rückblickend verweisen die auch unter Bush und Obama fortwährenden Turbulenzen jedoch auf die Tatsache, dass diese Befunde zur Clinton-Ära schlichtweg zu kurz greifen. „Die Relativität der Macht“ widmet sich daher einer längst überfälligen Neuinterpretation der zivil-militärischen Beziehungen unter Clinton. Die Entscheidungs- und Aushandlungsprozesse zwischen hoher Generalität und politischer Führung werden anhand der wichtigsten Streitfälle (Integration von Homosexuellen ins Militär sowie Militärinterventionen in Somalia, Haiti, Bosnien und im Kosovo) kritisch unter die Lupe genommen. Die Untersuchung weist nach, dass die angebliche „Krise“ kein historisch einmaliges Ereignis darstellt, sondern tatsächlich den Beginn einer bis heute anhaltenden Neuausrichtung der zivil-militärischen Beziehungen markiert.

Die differenzierte Sicht der Studie fußt auf einem neo-institutionalistischen Forschungsansatz. Er fungiert als Basis für die Entwicklung eines Analyseinstrumentariums, das systematisch den Blick auf Multikausalitäten und Wechselbeziehungen zwischen Ursachenfaktoren richtet. Die gezielte Integration der großen Paradigmen Ideen, Strukturen und Akteure vermeidet vereinfachende, monokausale Sichtweisen und erlaubt so eine höhere Erklärungskraft. Neben klassischen, historisch gewachsenen Pfadabhängigkeiten beleuchtet das Buch generell die Auswirkungen institutioneller Anreize – von verfassungsmäßigen und gesetzlichen Regelungen bis hin zu Organisationsstrukturen. Dabei nimmt sie auch das Phänomen nicht-intendierter Folgewirkungen institutionell-organisatorischer Arrangements ins Visier. Jenseits wirklichkeitsferner Modellierungen stellt die Untersuchung einen sowohl theoretisch reflektierten als auch pragmatischen Ansatz bereit, dessen Stärke in der kontextsensitiven Analyse real-existierender Problemzusammenhänge liegt.



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