Dissertation: Akteure der zweiten Reihe: Die Rolle Frankreichs und der DDR im Verlauf der Zweiten Berlinkrise 1958–1963

Akteure der zweiten Reihe: Die Rolle Frankreichs und der DDR im Verlauf der Zweiten Berlinkrise 1958–1963

Studien zur Zeitgeschichte, Band 79

Hamburg 2011, 384 Seiten
ISBN 978-3-8300-5680-5 (Print & eBook)

Berlinkrise, Berlinpolitik, Chruschtschow, DDR, de Gaulle, Geschichte, Geschichtswissenschaft, John F. Kennedy, Mauerbau, Ost-West-Konflikt, Vier-Mächte-Status, Walter Ulbricht, Zeitgeschichte

Zum Inhalt

Mit seiner Note vom 27. November 1958 kündigte der sowjetische Staatschef Nikita Chruschtschow das vereinbarte Besatzungsrecht der westlichen Alliierten in West-Berlin auf und löste damit die Zweite Berlinkrise aus, die sich zur längsten Krise im Kalten Krieg mit dem Höhepunkt des Mauerbaus im August 1961entwickelte. Auf der Grundlage von französischen Quellen und Akten der ehemaligen DDR untersucht die Autorin den Einfluss der DDR und Frankreichs in ihrem jeweiligen Bündnis auf den Verlauf der Zweiten Berlinkrise. Sie weist nach, dass Frankreich in allen Phasen der Krise der Sowjetunion unbeirrt und unnachgiebig Zugeständnisse verweigerte, um eine Veränderung des Status quo und eine mögliche Neutralisation der Bundesrepublik zu verhindern. Durch diese Haltung schwankte Frankreichs Verhältnis zu den anglo-amerikanischen Bündnispartnern zwischen Wertschätzung und völliger Ablehnung. Die Untersuchung zeigt, dass Frankreich ab Herbst 1961– in der Phase zunehmender Isolation durch die amerikanisch-sowjetische Annäherung – dabei riskante Wege ging und auch einen Bruch in den Beziehungen zu den USA im Bündnis in Kauf nahm. Durch diese Eindeutigkeit zögerte es die von den USA und der Sowjetunion angestrebten Lösungsmodelle solange hinaus, bis die veränderte internationale Politik nach der Kuba-Krise neue Wege zur Beendigung der Berlinkrise fand.

Auf der Basis von DDR-Akten weist die Autorin nach, dass Chruschtschow der DDR den Wunsch, die Berlinfrage initiativ mitzugestalten trotz weitgehend identischer Interessen nicht für den gesamten Verlauf der Krise zugestand. Die Analyse zeigt, dass eine erfolgreiche Mitwirkung und Impulswirkung der DDR in der Berlinpolitik einzig im August 1961 im Rahmen des Mauerbaus ihren Höhepunkt fand, danach aber die Interessengleichheit zwischen der DDR und der Sowjetunion endete, da diese Verhandlungen mit den USA den Vorzug gab und nicht mehr auf Initiativen der DDR-Führung für einen Friedensvertrag und eine Änderung des Berlinstatus einging.

Insgesamt zeigt die Untersuchung, dass das konsequente und engagierte Verhalten sowohl Frankreichs wie auch der DDR von den beiden Großmächten berücksichtigt werden musste und dadurch den Verlauf der Zweiten Berlinkrise mitbestimmte.

Von Beginn bis zum Ende der Krise ließen de Gaulle und sein Außenministerium keinen Zweifel daran, dass sie keine Zugeständnisse gegenüber Chruschtschow und der Sowjetunion machen würden. Dabei beharrte de Gaulle auf dem Vier-Mächte-Status in Berlin und lehnte den Abschluss eines Friedensvertrages durch die Westmächte unter den gegebenen Umständen vehement ab.



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