Doktorarbeit: Der Essalltag von Familien unter Bedingungen entgrenzter Erwerbsarbeit

Der Essalltag von Familien unter Bedingungen entgrenzter Erwerbsarbeit

Eine qualitative Studie über Wissenschaftlerinnen und Selbstständige

Schriften zur Ökotrophologie, Band 4

Hamburg 2011, 370 Seiten
ISBN 978-3-8300-5658-4 (Print & eBook)

Alltagsforschung, Beköstigung, Entgrenzung, Ernährungssoziologie, Ernährungsverhalten, Ernährungsversorgung, Erwerbsarbeit, Essalltag, Essverhalten, Familien, Gesundheitswissenschaft, Haushaltswissenschaft, Mahlzeiten, Ökotrophologie, qualitative Sekundärforschung, Qualitative Sozialforschung

Zum Inhalt

Mit ihrem Buch macht die Autorin auf die gesellschafts- und familienpolitisch hoch aktuelle Frage aufmerksam, wie und unter welchen Bedingungen erwerbstätige Mütter den Essalltag ihrer Familien tagtäglich organisieren und gestalten.

Die Notwendigkeit dieser Thematik nachzugehen, ergibt sich aus Anschuldigungen, erwerbstätige Mütter trügen eine Mitschuld am Ernährungs- und Gesundheitsfehlverhalten von Familien. Und tatsächlich stellt die Organisation des Essalltags für erwerbstätige Mütter einen täglichen Balanceakt dar, den Anforderungen der modernen Berufswelt und den Fürsorgeverpflichtungen für die Familie gerecht zu werden.

In der Studie geht die Autorin der bislang unerforschten, innovativen Frage nach wie es beruflich hoch qualifizierten und ambitionierten Wissenschaftlerinnen und Selbstständigen gelingt, ihre Familie tagtäglich mit Mahlzeiten zu versorgen und gleichzeitig beruflich erfolgreich tätig zu sein.

Nach einer einleitenden Darlegung von Problem- und Zielstellung der Untersuchung wird der aktuelle Forschungsstand über die Funktionen und die aktuelle Gestaltung von Familienmahlzeiten systematisiert und zusammengefasst. Anhand des arbeitssoziologischen Konzepts der Entgrenzung von Arbeit werden moderne Erwerbsarbeitsbedingungen vorgestellt, die das berufliche Handeln von Wissenschaftlerinnen und Selbstständigen prägen. Diskutiert wird welche Zwänge aber auch Freiräume zeitlich und räumlich hoch flexible Erwerbsbedingungen der Wissens- und Dienstleistungsgesellschaft für die familiale Essalltagsorganisation bieten.

Der zweite Teil des Buches widmet sich der Empirie. Auf der Grundlage 12 qualitativer Interviews mit Wissenschaftlerinnen und Selbstständigen zeichnet die Autorin ein lebhaftes Bild über die (Ess)Alltagsrealtität von modernen Familien. Sie zeigt mit welchem zeitlichen, emotionalen und praktischen Engagement Mütter versuchen, ihre Familie an 365 Tagen im Jahr bestmöglich zu versorgen. Die Autorin identifiziert ausgeprägte Rollenkonflikte, Belastungszustände wie auch innovative Bewältigungsstrategien, einem anforderungsvollen Job als auch den Bedürfnissen der Familie gerecht zu werden. Es werden Handlungsbedarfe offen gelegt und zahlreiche Empfehlungen ausgesprochen, die zu einer Entlastung von Müttern bei der noch immer überwiegend privat organisierten Ernährungsversorgung beitragen.

Auch für den methodisch interessierten Leser ist die Arbeit aufschlussreich. Die transparente Darstellung von Konzeption und Durchführung einer qualitativen Sekundäranalyse zeigt, wie mit diesem wenig genutzten Instrument der Ergebnisoutput sozialwissenschaftlicher Forschungsvorhaben optimiert werden kann. Die sozialwissenschaftliche geprägte, gut verständliche Schreib- und Darstellungsweise macht das Buch zu einer ansprechenden und spannend zu lesenden Lektüre für alle, die sich mit dem modernen Essalltag von Familien befassen.



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