Dissertation: Wiederkehr im Wort – Östliche Erinnerungsorte in Werken von Wolfgang Koeppen, Johannes Bobrowski, Czeslaw Milosz und Stefan Chwin

Wiederkehr im Wort – Östliche Erinnerungsorte in Werken von Wolfgang Koeppen, Johannes Bobrowski, Czeslaw Milosz und Stefan Chwin

POETICA – Schriften zur Literaturwissenschaft, Band 110

Hamburg , 358 Seiten

ISBN 978-3-8300-5195-4 (Print)
ISBN 978-3-339-05195-0 (eBook)

Zum Inhalt

Die Untersuchung nimmt sich einzelner Werke zweier deutscher und zweier polnischer Autoren an, in denen die Erkundung der eigenen Erinnerungen an bestimmte Orte in Mittel- und Osteuropa eine grundlegende Rolle spielt. Bei diesem literarisch festgehaltenen Erinnerungsprozess wird über deutsches, litauisches, polnisches, jüdisches Kulturerbe reflektiert, über die Beschaffenheit des Eigenen – und des Anderen.

Die Suche nach Erzählbarem über das Eigene fängt hier mit der Suche nach der dafür gültigen Sprache an. Es ist die Suche nach einer Sprache, die das Bleiben ermöglicht in einer Landschaft, wie sie geographisch nicht mehr besteht, weil sie Kindheit war, weil sie nun einen anderen Namen trägt. Das Weiterexistieren der dargestellten Orte (Ortelsburg in Masuren, die Landschaft um den Rombinus an der Memel, das Danzig/Gdansk der Zeit unmittelbar vor und nach dem Zweiten Weltkrieg und Vilnius als Jerusalem des Nordens) setzt voraus, dass man sie im Wort weiterleben lässt – sie sind nur noch in Spuren, in Erzählungen da.

Das Erzählen vom Selbst stößt an Grenzen – Grenzen des logisch Konstruierten, dessen, was einer wissen kann oder verschweigen muss. Und doch versuchen Bobrowski, Koeppen, Milosz oder Chwin dieses flüchtige Bild von erinnerten Orten nicht nur für sich im Wort festzuhalten, sondern sie sehen es auch durch fremde Augen, stellen es in Frage, nehmen es nicht für gegeben an.

In den hier behandelten Werken von Koeppen, Bobrowski, Milosz und Chwin wird einer Landschaft eine Stimme zurückverliehen, einer Landschaft mit Menschen: Sie ist Farbe und Licht, hat Hände zum Greifen und Augen zum Sehen, Lieder im Mund. Das Ergebnis dieser Erinnerungsarbeit in Literatur ist kein verstaubtes Denkmal, sondern lebendiger Erinnerungsort, mitteilbar, wandelbar.

Orte leben nicht nur davon, dass sie von Menschen bewohnt werden. Sie leben weiter, auch mit fremden Erinnerungsspuren, wenn die sie bewohnenden Menschen um deren zwiespältige, komplexe Geschichte wissen. Koeppen dachte, dass seine Erinnerungen an Venedig ursprünglicher, sogar wirklichkeitsbestimmender seien als sein Blick auf die Lagunenstadt. Vielleicht werden eines Tages die Bewohner von Lemberg, Gdansk, Vilnius, Szczytno, Sowjetsk fähig sein, das Fremde an ihrem Lebensort als auch zum Eigenen gehörend wahrzunehmen.

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