Doktorarbeit: Parasitismus als philosophisches Problem

Parasitismus als philosophisches Problem

Michel Serres‘ Theorie der Relationen zwischen Kommunikationstheorie und Sprachkritik

BOETHIANA – Forschungsergebnisse zur Philosophie, Band 75

Hamburg , 516 Seiten

ISBN 978-3-8300-2791-1 (Print)
ISBN 978-3-339-02791-7 (eBook)

Zum Inhalt

Der Parasit gehört zur Existenz, seine Akzeptanz zulassen heißt einzugestehen, dass nicht alles perfekt funktioniert, alles läuft nur, weil es nicht läuft, kein System kommt ohne ihn aus, mehr noch, er ist das System. Seine Präsenz weist eine lange Kulturgeschichte vom Priester-Parasiten bis zum Sozialparasiten auf, wobei das philosophische Problem weitaus jüngeren Datums ist.

Die Studie beschreibt, analysiert und interpretiert die Entwicklung, die Grundzüge, die Bedingungen und Grenzen des kulturanthropologisch fundierten Parasitismus-Konzeptes, in seinem Bezug zu Kommunikationstheorie, Sprachkritik und Ästhetik, des französischen Mathematikers und Wissenschaftsphilosophen Michel Serres.

Betrachtet man die Vielfalt des Rollenspiels des Parasiten, ist zu vermuten, dass er neben seiner abwertenden Semantik noch etwas anderes zum Ausdruck bringt: Die Orientierung auf eine Gegenwelt, die sich der Vernunft und den damit verbundenen deterministischen Paradigmen entzieht und die Sympathie für elementare, subversive Instabilität, für Destruktion, Störung, Eingriff, Abweichung und Ungewissheit. Damit verbindet sich die Frage, ob die Figur des Parasiten die Ordnung oder lediglich die Pathologie eines Systems verkörpert.

Die Omnipräsenz des Parasitären beinhaltet die Perspektive der Verund Zerstörung sowie den Versuch der Überschreitung gültiger Grenzen, die jegliche Eindimensionalität und Eindeutigkeit unterläuft. Daraus erwächst die Energie des Entwurfs eines zwischen Wissenschaft und Poesie changierenden Konzepts, das sich nicht nur entlang subversiver Eingriffsstrategien bewegt, sondern das epistemologische Bedürfnis kommuniziert, die Gefährdung und die Chance parasitärer Praktiken zu erfassen. Nicht zuletzt ist die Figur des Parasiten in eine Theorie der Wahrnehmung und eine Geschichte der Ästhetik gemischter Empfindungen eingebunden, die den subtilen Reiz und die Sinnlichkeit vermischter Körper in Serres’ Theorie der Relationen beweist; eine durchweg vernachlässigte Thematik wird mit einer Theorie zusammengeführt, die erklärtermaßen angetreten ist, jede Form traditionellen Denkens hinter sich zu lassen, grundsätzlich neu zu beginnen.

Ihr Werk im Verlag Dr. Kovač

Bibliothek, Bücher, Monitore

Möchten Sie Ihre wissenschaftliche Arbeit publizieren? Erfahren Sie mehr über unsere günstigen Konditionen und unseren Service für Autorinnen und Autoren.

Weiteres Buch des Autors

Forschungsarbeit: Höllenflamme – Zum existenziell-poetologischen Topos der Sehnsucht bei Hölderlin

Höllenflamme – Zum existenziell-poetologischen Topos der Sehnsucht bei Hölderlin

Hamburg , ISBN 978-3-339-11564-5 (Print), ISBN 978-3-339-11565-2 (eBook)

Nach oben ▲