Dissertation: Selbstkonstrukte von Frauen: Weiblichkeitsklischees oder Mut zur Widersprüchlichkeit?

Selbstkonstrukte von Frauen: Weiblichkeitsklischees oder Mut zur Widersprüchlichkeit?

Eine kritische Analyse von Kursen zur Selbstbehauptung und Selbstverteidigung

Gender Studies - Inter­diszi­plinäre Schriften­reihe zur Geschlechter­forschung, Band 6

Hamburg 2007, 300 Seiten
ISBN 978-3-8300-2728-7

Diskursanalyse, Feminismus, Frauenforschung, Genderforschung, Konstruktivismus, Selbstbehauptung, Selbstverteidigung, Sozialpsychologie, Soziologie

Zum Inhalt

Kurse zur Selbstbehauptung und Selbstverteidigung für Frauen stehen
in der Gleichstellungsarbeit ebenso wie in der emanzipatorischen
Frauen- und Erwachsenenbildung seit langem hoch im Kurs. Dennoch
gibt es wenige Untersuchungen, die sich mit dieser Thematik befassen.
Ein Betätigungsfeld der Unantastbarkeit? Die erfahrene SB/SV-Trainerin
betritt mit Ihrer Untersuchung dieses bislang unberührte Feld, das sich
dem analytischen Blick bisher erfolgreich entzogen hat. Es ist nicht mehr
und nicht weniger als die eigene Kurstätigkeit, die in einer selbstkri-
tischen Weise reflektiert wird. Der Datenkorpus erstreckt sich vorwie-
gend auf jahrelange konsequente Kursnotizen aus der eigenen Feder,
die ein heterogenes aber authentisches Ausgangsmaterial bieten, eine
gute Grundlage für einen Feldforschungsansatz. Auf dieser Basis wird
danach gefragt, wie und durch welche Stilmittel und Symbole sich die
teilnehmenden Frauen der Kurse selbst konstruieren und präsentieren.
Ausgangspunkt ist die philosophisch-psychologische Frage nach dem
Selbst. Eine Herausforderung, die vielleicht als symptomatisch für die
spannungsreiche Koexistenz von wissenschaftlicher Forschung und
emanzipatorischer Politik gelten kann. Es ist eine Frage nach den
Doing-gender-Prozessen, die performativ Subjekte hervorbringen.
Dabei werden drei jeweils unterschiedliche methodische Lupen ge-
nutzt, denen die Zuordnung zur Qualitativen Sozialforschung ge-
meinsam ist: die bekannte Grounded Theory, die weniger populäre
Artefaktanalyse und die gerade in feministischen Kreisen beliebte Dis-
kursanalyse. Die Erkenntnisse des Sozialkonstruktivismus und hier vor
allem die Arbeiten von Judith Butler sind ebenso wie die Phänomeno-
logie und die Arbeiten von Michel Foucault über die Körpergeschichts-
schreibung wesentliche erkenntnistheoretische Grundlagen des Blicks
der Forscherin. Die Ergebnisse der Studie berühren komplexe, in sich
verwobene Strategien und Mechanismen, die in unserer täglichen Praxis
der Selbstinszenierung und der Sprechakte wirken. Sie legen nahe, dass
auch in SB/SV-Kursen wirklichkeitsstiftende Praktiken am Werke sind, die
Rollenzuschreibungen festschreiben und von dem Anspruch der Dekon-
struktion noch weit entfernt sind. Letztlich geht es in der Studie auch
darum, über die theoriegeleitete Thematisierung den gespannten Bogen
zur Praxis wieder zu schließen, der die Ausgangslage der Untersuchung
bildet und aus den Ergebnissen praxisrelevante Handlungsaufforde-
rungen vorzustellen, sowie Konsequenzen für die SB/SV-Kurs-Konzepte
zu formulieren, um eine Qualitätssicherung im Rahmen der Erwachsen-
enbildung zu gewährleisten, die längst überfällig ist.

Link der Autorin

www.weissbacher.de www.n-m-u.de
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