Dissertation: Identität und Personalität in Gottfrieds von Straßburg Tristan

Identität und Personalität in Gottfrieds von Straßburg Tristan

Studien zur sozial- und kulturgeschichtlichen Entwicklung des Helden

Schriften zur Mediävistik, Band 8

Hamburg 2006, 292 Seiten
ISBN 978-3-8300-2264-0 (Print), ISBN 978-3-339-02264-6 (eBook)

Differenzerfahrung, Individualität, Kulturgeschichte, Mediävistik, Mittelhochdeutsche Literatur, Roman, Sozialgeschichte, Sprachwissenschaft

Zum Inhalt

Die Studie befaßt sich mit der Problematik der Identität in Gottfrieds von Straßburg Tristan. Es ist das Anliegen des Autors, die einzelnen Entwicklungsstufen der Tristanforschung bezüglich der Individualitätsproblematik zu hinterfragen und durch die dadurch gewonnene Perspektive die Frage nach Tristans Identität neu zu stellen.

Im Mittelpunkt steht dabei die Genese des Menschenbildes, die im Medium tradierter Schriften zutage tritt. Indem dieses kulturelle Muster im Hinblick auf das Phänomen ‘Identität‘ verfolgt wird, kann am höfischen Roman und an Gottfrieds Auffassung und Bearbeitung des Tristanstoffes nachvollzogen werden, daß die Werte der hervorgebrachten Ordnung an Geltung verlieren, die sich abzeichnende Neuorientierung personaler Lebensführung jedoch von Lug und Trug, Schande und Heillosigkeit umstellt ist. Daß ‘die Welt‘ und ‘die Liebe‘ sich derart radikal in Frage stellen, sich gegeneinander abschotten und dennoch einander belauern, gehört nach Ansicht des Verfassers wohl immer noch zu den irritierendsten Erfahrungen der Tristanlektüre.

Durch die genaue Analyse der verschiedenen Stufen von Tristans Identität, unter Berücksichtigung des Denkens in Analogien im 12. Jahrhundert und dessen Auflösung hin zur Erfahrung der Differenz, soll eine Diskussion über einen Text weitergeführt werden, dessen Rezeptionsgeschichte zeitweise durch Tendenzen der Polarisierung und auch der Abwehr des Erotischen und ‘Schlüpfrigen‘ bestimmt war. Denn gerade in Gottfrieds Ausdeutung der Liebe zwischen Tristan und Isolde, in der Verschiebung der moralischen Bewertungsebenen und in der letztlich alles überdauernden Radikalität des Scheiterns der Liebenden, ist die Signal- und Strahlkraft dieser Dichtung zu sehen.

Mögen es bei Gottfried noch die Konsequenzen der höfischen Maximen sein, die das tragische Ende herbeiführen, so deuten sich gleichwohl bereits Tendenzen individueller Verhaltensweisen neuzeitlicher Romanfiguren an.



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