Dissertation: Psychische Störungen bei jungen Straftätern

Psychische Störungen bei jungen Straftätern

Eine Untersuchung zur Prävalenz und Struktur psychischer Störungen bei neu inhaftierten Jugendlichen und Heranwachsenden in der Jugendanstalt Schleswig

Studienreihe psychologische Forschungsergebnisse, Band 109

Hamburg , 304 Seiten

ISBN 978-3-8300-1404-1 (Print)

Zum Inhalt

Das Thema Jugendkriminalität ist in den letzten Jahren vermehrt in der öffentlichen Debatte aufgegriffen worden. Gerade bei schwerwiegenden und extremen Gewaltstraftaten wird dabei oft die Frage nach den Ursachen aufgeworfen, was massenmedial häufig zu einer Diskussion über die Persönlichkeit bzw. die psychische Gestörtheit der Täter führt. Damit verbunden ist der Streitpunkt über den (richtigen) Umgang mit kriminellen Jugendlichen.

Der Autor und Diplom-Psychologe Denis Köhler greift diese Fragestellungen in seiner Dissertation auf. In seiner Studie an 217 Inhaftierten des Jugendvollzuges in Schleswig/ Neumünster untersucht er die Häufigkeit psychischer Störungen sowie die Persönlichkeit von jugendlichen Straftätern. Wie der Autor in einem Überblick über den nationalen und internationalen Forschungsstand deutlich macht, liegt hierzu im deutschsprachigen Raum derzeit ein alarmierendes Untersuchungsdefizit vor.

Nach einer Einführung in die wichtigsten theoretischen Konzepte und Erklärungsansätze zur Entstehung von Gewalt und Kriminalität widmet sich der Autor Fragen zur Täterpersönlichkeit. Der Untersuchungsschwerpunkt seiner Arbeit liegt auf den psychischen Störungen von jungen Straftätern. Konzeptuelle und theoretische Überschneidungen der Begriffe psychische Störung, Persönlichkeit und Delinquenz arbeitet er dabei übersichtlich heraus. Vertiefend geht Köhler den Persönlichkeitsstörungen (nach ICD-10 und DSM-IV) sowie der psychopathischen Persönlichkeit in seiner Untersuchungsstichprobe nach. Weiter erfasst er die aktuelle psychische Befindlichkeit zur Zeit der Inhaftierung der Straftäter und die Häufigkeit psychischer Störungen sowie die Therapiemotivation der Probanden.

Erstmalig konnte damit in Deutschland an einer größeren Stichprobe von Inhaftierten des Jugendvollzugs nachgewiesen werden, dass junge Straftäter neben einer hohen allgemeinen psychischen Belastung auch eine hohe Prävalenz psychischer Störungen aufweisen. Dabei spielen Auffälligkeiten sowohl in der Persönlichkeitsentwicklung als auch im Substanzkonsum eine herausragende Rolle. Junge Straftäter erscheinen daher mit einer jugendpsychiatrischen Population vergleichbar.

Aus seinen Untersuchungsergebnissen leitet der Autor praktische Aspekte für die intramurale Behandlung ab und schlägt ein empirisch abgeleitetes Behandlungsmodell für junge Straftäter vor.

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