Coverabbildung: „Wirtschaftsordnung und Bankensystem“ von Stephan Raum

Stephan Raum Wirtschaftsordnung und Bankensystem

Die Geschäftspolitik der bayerischen Sparkassen und ihre Entwicklung zu Universalkreditinstituten (1900-1933)

Hamburg 1999, 440 Seiten

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[…] Erstaunlich ist jedoch Raums These, dass Bayerns Sparkassen die schwierigen Rahmenbedingungen erstaunlich gut meistern und ihre Marktposition in der Kreditwirtschaft verbessern konnten. Ein solcher Befund lässt sich keineswegs für andere Segmente der deutschen Kreditwirtschaft in dieser Zeit feststellen. […]

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Die Marktordnung unseres Wirtschaftssystems besteht aus zwei Sektoren: einem privatwirtschaftlichen und einem öffentlichen Sektor. Zwar besteht in der Ausgestaltung der Kombination zwischen diesen beiden Sektoren eine Vielzahl von Möglichkeiten, dennoch verengt sich die derzeitig Privatisierungsdiskussion auf die Ansicht, dass öffentliche Unternehmen nicht mit einer marktwirtschaftlichen Ordnung zu vereinbaren seien.

Nun sind Sparkassen und Landesbanken mit Sicherheit weder staatliche Monopolunternehmen noch operieren sie in staatlich geschützten Wirtschaftsbereichen. Sie unterliegen vielmehr zweifellos in vollem Umfang dem Wettbewerb an den Finanzmärkten und müssen sich am Bedarf ihrer Kunden orientieren. Die Struktur der Sparkassenorganisation ist dabei von Anfang an durch das „magische Fünfeck“ - kommunale Bindung, Gemeinwohlorientierung, dezentrale Unternehmensverantwortung, Regionalprinzip und Zusammenarbeit im Verbund - gekennzeichnet. Während aber die Sparkasse in den ersten Jahrzehnten nach ihrer Gründung eine sehr eingeschränkte Geschäftstätigkeit ausübten, ist es mittlerweile unbestritten, dass die heutigen Kreditinstitute aufgrund ihres umfassenden Marktauftritts zu Recht als Universalkreditinstitute gelten. Vor diesem Hintergrund analysiert der Autor am Beispiel der bayerischen Sparkassen, warum und wie es zu dieser Entwicklung der Sparkassen zu universalen Dienstleistern kam und welche Folgen dies für die wirtschaftliche Entwicklung der untersuchten Region hatte.

Aus der Analyse der Sparkassengeschichte ergeben sich zwar noch keine Musterlösungen oder Handlungsanweisungen für künftige Entscheidungsprozesse, wohl aber ein großer Vorrat an Befunden, Erfahrungen und Verhaltensmustern für ein mögliches zukünftiges Handeln. So zeigt gerade die Vergangenheit, dass eine Bankenlandschaft ohne die kreditwirtschaftliche Versorgung in der Fläche zu einer entscheidenden Unterversorgung von vielen privaten Haushalten und weiten Teilen des gewerblichen Mittelstands und des Handwerks führt. Gerade in einem Europa der Regionen wird aber ein Instrument benötigt werden, um strukturschwache Regionen entsprechende fördern zu können. Die Vorschläge zur Privatisierung sind somit zwar sicherlich legitim und vor allem aus der Perspektive der privaten Banken nachvollziehbar, aus wirtschaftshistorischer Sicht erscheinen sie allerdings nicht plausibel.

Bibliografische Daten

Autor Stephan Raum
Titel Wirtschaftsordnung und Bankensystem
Untertitel Die Geschäftspolitik der bayerischen Sparkassen und ihre Entwicklung zu Universalkreditinstituten (1900-1933)
Seiten 440
Erscheinungsjahr 1999
Ort Hamburg
ISBN (Print) 978-3-8300-0065-5
eISBN (eBook) 978-3-339-00065-1
Schriftenreihe Schriftenreihe innovative betriebswirtschaftliche Forschung und Praxis
Band 112

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