Doktorarbeit: Die Wiedergeburt der Götter

Die Wiedergeburt der Götter

Ritual und Gesellschaft in Orissa

HERODOT – Wissenschaftliche Schriften zur Ethnologie und Anthropologie, Band 1

Hamburg , 466 Seiten

ISBN 978-3-86064-869-8 (Print)

Zum Inhalt

Seit dem 12. Jahrhundert existiert in der Stadt Puri in Orissa (Indien) ein Tempel, der dem Gott Jagannatha geweiht ist. In vorkolonialer Zeit galt Jagannatha als der eigentliche Herrscher des Landes, während sich die Könige der verschiedenen Dynastien als seine Stellvertreter auf Erden verstanden. Mit Beginn der Kolonialherrschaft nahm die Pilgerschaft zum „Herrn der Welt“ bisher unbekannte Dimensionen an und in heutiger Zeit ist die Stadt Puri eines der größten Pilgerzentren Indiens. Im Hauptschrein des Tempels befinden sich neben Jagannatha, von der Mehrheit der Gläubigen als Gott Krisna verehrt, auch seine Waffe Sudarsana und seine Geschwister Balabhadra und Subhadra. Alle vier sollen den lokalen Legenden zufolge aus einem Baumstamm gefertigt worden sein, der an der nahegelegenen Meeresküste angeschwemmt wurde. Auch die heutigen Götterikonen bestehen in ihrem Kern aus Holzstämmen, die mit vielerlei Pasten, Harzen und Stoffen umgeben sind. Während diese äußeren Schichten jedes Jahr in der Regenzeit erneuert werden, wird der hölzerne Kern nur in Abständen von acht bis neunzehn Jahren ersetzt. Diese Lebenskrise des Gottes, nabakalebara genannt, fand zuletzt 1996 statt.

Der Autor bietet in diesem Buch erstmals eine ausführliche Beschreibung des Festes. Seine Beschreibungen basieren auf eigenen Beobachtungen und zahlreichen Interviews mit den beteiligten Priestern im Laufe von 16 Monaten. Die Analyse betont die Rolle der Stammesbevölkerung bei der Erneuerung der Götter. Die Stämme leben in großer Zahl in den Bergen von Orissa und verfügen über eine von den Hindus verschiedene Gesellschaftsform und Religion. In Puri werden sie durch Tempeldiener repräsentiert, die im Rahmen des Festes die alten Götterikonen zerstören und neue schaffen. Der Ansatz des Autoren ist durch den Strukturalismus des französischen Anthropologen Louis Dumont geprägt, dessen theoretisches Modell von „Hierarchie“ er zur Deutung des ethnographischen Materials nutzt. Es gelingt ihm in eindrucksvoller Weise, dem Leser die Sinngebungen der Beteiligten Rituale zu vermitteln und ein Verständnis für ihre spezifischen Werte und Ideen zu schaffen.

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