: Freund Hain, die erotische Süßigkeit und die Stille des Nirwanas

Freund Hain, die erotische Süßigkeit und die Stille des Nirwanas

Thomas Manns Rezeption der Erlösungsthematik zwischen Schopenhauer, Nietzsche und Wagner

POETICA – Schriften zur Literaturwissenschaft, Band 24

Hamburg , 312 Seiten

ISBN 978-3-86064-552-9 (Print)

Zum Inhalt

Noch gegen Ende seines Lebens vermerkt Thomas Mann in seinem Tagebuch, dass er „kein irgendwie geschulter Philosoph“ sei, nicht der „ponderous philosopher“, für den ihn - gerade in den USA - so viele hielten. Zwei Philosophen sind aber von seiner willkürlichen Selektion philosophischer Zusammenhänge, von seinem umfassenden Eklektizismus ausgenommen: Schopenhauer und Nietzsche, aus deren langen Schatten sich Mann Zeit seines Lebens nicht befreien konnte und wollte. Dies ist nun aber nicht gerade eine Neuigkeit. Merkte H. Wysling 1967 noch an, dass eine wohlfundierte Arbeit über das Verhältnis von Thomas Mann und Schopenhauer noch ausstehe, so ist seither eine Vielzahl von Abhandlungen hierüber entstanden. Dennoch - und dadurch rechtfertigt sich mein erneuter Zugriff auf das Thema - ist der philosophische Referenzrahmen der Werke Manns bei weitem noch nicht vollständig freigelegt worden.

Diese Untersuchung hebt mit einem Vergleich von Thomas Manns ironiefreiem Ironiebegriff mit Nietzsches Perspektivismus an, der die Legitimation der Vorgehensweise liefert, Mann - im Gegensatz zu vielen anderen Interpreten, die das philosophische Substrat eines literarischen Textes als beliebiges Spielmaterial des Künstlers ansehen - hinsichtlich seiner philosophischen Rezeption durchaus „beim Wort zu nehmen“. Sodann konzentriert sich der Autor auf die elementaren Folgen von Manns durch das „Medium“ Wagner verzerrten Adaption der Erlösungskonzeption Schopenhauers, die bislang noch nicht einmal ansatzweise systematisch ergründet wurden.

Kern dieser Arbeit ist die schopenhauerfremde Identifikation von Tod, Eros und Erlösung, die Thomas Mann im Anschluss an Wagner sowie unter Ausnutzung der werkimmanenten Widersprüche, in die sich Schopenhauer vor allem im berühmten 41. Kapitel der „Welt als Wille und Vorstellung“ verwickelt, in dessen Erlösungslehre hineinliest. Thomas Manns Synthese aus Schopenhauer und Wagner liegt Schopenhauers Wille-Vorstellungs-Dualismus zugrunde, den Mann fälschlicherweise nahezu durchweg mit Nietzsches Dionysos-Apollon-Konstellation identifiziert. Hierdurch ergibt sich eine Vermischung dieser beiden - wie der Autor detailliert zeigt - sehr gegensätzlichen Philosopheme.

Die Leitthese dieser Untersuchung ist, dass sich diese Vermischung primär nicht Manns Technik der kontrapunktischen Kombination von Leitmotiven und Philosophemen verdankt, sondern von ihm nicht durchgängig realisiert wird und zu einer sein Werk beherrschenden Konfrontation zwischen den Philosophien Schopenhauers und Nietzsches führt, die bislang nicht beachtet wurde. Im Zentrum dieser auf einem systematischen Ansatz aufbauenden, dabei aber den historisch-biographischen Komplex nie aus den Augen verlierenden Untersuchung stehen ebenso die frühen Erzählungen Der kleine Herr Friedemann und Tristan, als auch Buddenbrooks, Der Tod in Venedig, Der Zauberberg, der Schopenhauer-Essay, Doktor Faustus und Die Betrogene. Es ist wohl nicht übertrieben zu sagen, dass einige dieser Werke durch die hier durchgeführte Analyse in einem überraschend neuen Licht erscheinen.

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