Paulin Daniel Sou Antifaschistischer Widerstand im Spiegel der deutschsprachigen Exilliteratur 1933–1945
Am Beispiel des Romans Lidice von Heinrich Mann
Hamburg 2017, 354 Seiten
Zum Inhalt
Ziel der Studie ist es, den bisher von der Forschung abqualifizierten Exilroman Lidice von Heinrich Mann als Widerstandsroman zu lesen und ihn mit einer Kombination von neueren theoretischen und methodischen Ansätzen einer Neubewertung zu unterziehen, die sich von seiner bisherigen Rezeptionsgeschichte abhebt. Dabei fasst der Verfasser den Roman als Gedenken an den Widerstand des tschechischen Volkes gegen die NS-Besatzer auf.
Ausgehend von dem literaturgeschichtlichen Anspielungshorizont der Widerstandsliteratur zeichnet der Autor zuerst Manns Weg ins Exil nach, untersucht dann seine publizistischen und politischen Widerstandsaktivitäten als Führer der Deutschen Volksfront im französischen Exil, um daraufhin Lidice mithilfe der Theorien der Intermedialität nach Irina O. Rajewsky, der Theatralität bzw. Performativität nach Erika Fischer-Lichte u.a. in Verbindung mit Michel Foucaults diskursivem Machtbegriff als Dekonstruktion faschistischer Machtinszenierungen zu interpretieren.
Hinsichtlich der Intermedialität hebt der Verfasser neben der Anlage des Romans als Filmskript und Drama die Imitation von filmischen Darstellungsmitteln wie Nahaufnahme, Rückblende, Vorausblende, Black-out hervor, verweist auf die szenisch dialogische und theatralische Form des Werkes und zeigt seine intermediale Beziehung zu antifaschistischen Filmen der 1940er Jahre wie Chaplins Der große Diktator und Lubitschs To be or not to be auf.
Performativität bzw. Theatralität dient als Kritik an den faschistischen Machtmethoden, wo Macht als theatrale Inszenierung im Doppelgängerspiel des tschechischen Helden Pavel Ondracek entlarvt und entblößt wird. Darüber hinaus verweist der Verfasser auf das Motiv der Körperlichkeit, wobei die Inszenierung von Macht in brutale Gewaltexzesse in Form von Folter, Unterdrückung und von sexueller Gewalt gegen die tschechische Bevölkerung zur Unterwerfung von deren Körpern umschlägt. Die satirischen und grotesken Darstellungsverfahren gelten als kritische Dekonstruktion der NS-Ideologie.
Des Weiteren weist die Studie auf die Bedeutung der Musik, vor allem die intermediale Bezugnahme des Romans zu Smetanas Verkaufter Braut und Puccinis Turandot, als Mittel der Erweckung des antifaschistischen Bewusstseins und als Form des nationalen Widerstandes des tschechischen Volkes hin.
Das abschließende Kapitel beschäftigt sich mit dem Vergleich des Romans Lidice mit Anna Seghers‘ Roman Das siebte Kreuz. Dabei arbeitet der Verfasser die Gemeinsamkeiten beider Romane im Hinblick auf ihre politische Intention und Botschaft heraus und zeigt zugleich ihre formalen Unterschiede und Darstellungsverfahren auf. Obwohl Lidice und Das siebte Kreuz formale und poetologische Differenzen aufweisen, stehen beide Werke motivisch in einer intertextuellen Beziehung. Darin wird der antifaschistische Widerstand auf der Basis einer breiten Kampfbewegung, des solidarischen Wirkens und Zusammenhaltens gegen das NS-Regime dargestellt, welche der damaligen Volksfrontpolitik entsprechen.
Schlagworte
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| Autor | Paulin Daniel Sou |
| Titel | Antifaschistischer Widerstand im Spiegel der deutschsprachigen Exilliteratur 1933–1945 |
| Untertitel | Am Beispiel des Romans Lidice von Heinrich Mann |
| Seiten | 354 |
| Erscheinungsjahr | 2017 |
| Erscheinungsdatum | 21.02.2017 |
| Ort | Hamburg |
| ISBN (Print) | 978-3-8300-9290-2 |
| eISBN (eBook) | 978-3-339-09290-8 |
| Schriftenreihe | POETICA – Schriften zur Literaturwissenschaft |
| Band | 145 |
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