Dissertation: Zum Einfluss der Einstellungspositionen und der persuasiven Argumentation anderer Gruppenmitglieder auf den Effekt der Gruppenpolarisierung

Zum Einfluss der Einstellungspositionen und der persuasiven Argumentation anderer Gruppenmitglieder auf den Effekt der Gruppenpolarisierung

Kognitive Kapazität und Motivation als Moderatorvariablen

Schriften zur Sozialpsychologie, Band 32

Hamburg 2016, 204 Seiten
ISBN 978-3-8300-8957-5 (Print & eBook)

Gruppendiskussion, Gruppeneffekt, Gruppenpolarisierung, Kognitive Kapazität, Moderatorvariablen, Motivation, Persuasive Argumente, Prozessmodelle der Persuasion, Psychologie, Sozialer Vergleich, Sozialpsychologie

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Die Forschung hat gezeigt, dass sowohl Mechanismen der Theorie Sozialer Vergleichsprozesse als auch der Theorie Persuasiver Argumente an der Entstehung der Gruppenpolarisierung beteiligt sind. Basierend auf den Prozessmodellen der Persuasion wird in der Untersuchung als neue Fragestellung angenommen, dass deren Bedeutung für die Entstehung der Gruppenpolarisierung von der individuellen Fähigkeit und Motivation zur Informationsverarbeitung abhängt. Genauer sollten sich Informationen zu den Einstellungspositionen anderer Gruppenmitglieder vornehmlich unter Bedingungen niedriger (versus hoher) Fähigkeit oder Motivation auf die Polarisierung auswirken. Im Gegensatz dazu sollte der Einfluss persuasiver Argumente unter Bedingungen hoher (versus niedriger) Fähigkeit und Motivation stärker ausfallen. In den ersten beiden Experimenten wurden Individuen Informationen einer Gruppendiskussion dargeboten. Die Ergebnisse dieser Experimente zeigten übereinstimmend mit den Vorhersagen, dass zu Beginn präsentierte, kurze Informationen zur durchschnittlichen Einstellungsposition anderer Gruppenmitglieder (hoher versus niedriger Gruppendurchschnitt) die Gruppenpolarisierung bei niedriger (versus hoher) Fähigkeit oder Motivation beeinflusste. Später präsentierte, längere persuasive Argumente (hohe versus niedrige Persuasivität) determinierten dagegen die Gruppenpolarisierung bei hoher (versus niedriger) Fähigkeit und Motivation. Nur bei hoher (nicht aber niedriger) Motivation reflektierte die Valenz der ausgelösten Kognitionen die Persuasivität der Argumente und sagte die Polarisierung voraus. In einem dritten Experiment fanden echte Gruppendiskussionen statt, wobei die individuelle Verarbeitungsmotivation manipuliert wurde. Die kurzen, wenig komplexen Einstellungspositionen der anderen Gruppenmitglieder bestimmten die Polarisierung wiederum im Fall niedriger Motivation. Unter Bedingungen hoher Motivation spielte dagegen die längere und komplexere Information des Pro- / Kontra-Verhältnisses der von den anderen Gruppenmitgliedern geäußerten Argumente die zentrale Rolle. Insgesamt bestätigen die Ergebnisse der drei Experimente die aus den Prozessmodellen der Persuasion abgeleiteten Annahmen, dass die individuelle Fähigkeit und Motivation den Einfluss von Einstellungspositionen und persuasiver Argumentation anderer Gruppenmitglieder auf die Gruppenpolarisierung moderiert. Implikationen der Befunde werden diskutiert.



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