Forschungsarbeit: Andrej Bitovs „Uletajušcij Monachov“ als postmoderner Roman

Andrej Bitovs „Uletajušcij Monachov“ als postmoderner Roman

POETICA – Schriften zur Literaturwissenschaft, Band 131

Hamburg 2015, 192 Seiten
ISBN 978-3-8300-7927-9 (Print & eBook)

Rezension

[...] handelt es sich um eine inhaltlich durchaus lesenswerte und inspirierende, die Forschungsliteratur zu Bitov bereichernde Analyse eines selten in den Fokus genommenen Textes.

Ulrike Goldschweer, in:
Kritikon Litterarum, Band 43, Heft 3-4, 2016

Andrej Bitov, Literatur 20. Jahrhundert, Literaturwissenschaft, Motiv, Narratologie, Postmoderne, Russische Literatur, Slavistik, Textstruktur, Werkanalyse

Zum Inhalt

Was ist ein postmoderner Roman? In dieser Abhandlung wird versucht, diese Frage am Beispiel des Romans „Uletajucij Monachov“ von Andrej Bitov zu beantworten. Der Roman in seiner heutigen Version erschien zum ersten Mal 1990 im Verlag „Molodaja gvardija“. Ein langer Weg lag hinter ihm: 30 Jahre vergingen zwischen dem ersten Entwurf des Romans und dessen Veröffentlichung. Wegen der strengen Zensur der Parteibürokraten musste der Autor jedes Kapitel als selbständige Erzählung veröffentlichen lassen, was offensichtlich das mangelnde Interesse am Roman als Ganzes seitens der Leser und der Kritiker zur Folge hatte. Entstehungsgeschichte und Selbständigkeit der einzelnen Kapitel mögen den Eindruck erwecken, als ob es sich hier vielmehr um einen Zyklus von Erzählungen handele. Die freie Umbenennung der Teile, die in jeder Erzählung unabhängig von der anderen sich entwickelnde Handlung, die auf den ersten Blick identischen, aber doch unterschiedlichen Protagonisten, das Fehlen eines kontinuierlichen Entfaltung der Geschichte und die scheinbar nicht zusammenhängenden Zeiträume und Schauplätze können diese Meinung nur untermauern. Wenn man aber diese „Erzählungen“ genauer liest, lassen sich zahlreiche Interferenzen auf verschiedenen Ebenen finden, die die Teile miteinander verknüpfen und den Roman zur Einheit machen. Durch die Berücksichtigung solcher Kohärenzelemente wie Motive, Themen, Situationen usw. kam bei der Analyse aus der Punktir-Komposition die Spiralstruktur des Romans zum Vorschein. So wie in einer Spirale das Erkennen des bekannten Objekts auf jeder „höheren“ Ebene vertieft wird, wird die Kenntnis des Lesers über Protagonisten, Zeiträume und Schauplätze nach diesem Bild konstruiert. Der Roman entwickelt sich spiralförmig wie das Leben selbst. Um diese Wahrnehmung beim Leser zu erreichen, wird der aktiv in die Entwicklung des Romans einbezogen: Durch die Lücken in den Zeit-, Orts-, und Personenangaben und die allmähliche Aufklärung wird der Leser gezwungen, seine Kenntnisse wieder und wieder zu vervollständigen und seine Vermutungen zu korrigieren.



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