Doktorarbeit: Der bundesdeutsche Tourismus

Der bundesdeutsche Tourismus

Ansätze zu einer Visual History: Urlaubsprospekte, Reiseführer, Fotoalben 1950–1990

2. korrigierte und aktualisierte Auflage

Studien zur Zeit­ge­schichte, Band 86

Hamburg 2012, 626 Seiten
ISBN 978-3-8300-6301-8

Rezensionen

Für die Geschichte des bundesdeutschen Tourismus markiert die 2003 erschienene Studie von Cord Pagenstecher einen Meilenstein der historischen Forschung, konzeptionell und ebenso empirisch. [...] Zu empfehlen ist dieses Buch auch all denjenigen, die sich lediglich einen Überblick darüber verschaffen wollen, wie die Bundesdeutschen in den ersten fünfzig Jahren der Bonner Republik ihren Urlaub verbracht haben und zuverlässige Daten zur Entwicklung touristischen Verhaltens nach Geschlecht, Alter, Sozialschicht usw. suchen (besonders S. 111-152). Von einem ausgeprägten Problembewusstsein Pagenstechers selbst in eher skizzenhaften Passsagen zeugt zum Beispiel, dass er nicht der Versuchung erliegt, den Urlaub ‚mit Kind und Kegel’ als „letztes Reduit der Familie“ zu idyllisieren. [...]

H-Soz-u-Kult, 06.10.2011 (zur 1. Auflage)

[...] waren die Trends und Strukturveränderungen des Tourismus für die Geschichtswissenschaft lange kein Thema, vor allem über die Wahrnehmungen der Reisenden wusste man bisher wenig. Diese Forschungslücke hat Cord Pagenstecher mit seiner eindrucksvollen Studie über den bundesdeutschen Tourismus geschlossen. [...] Der schwierige Versuch einer Visual History ist hier besonders gelungen.

Zeitschrift für Geschichtswissenschaft, ZfG 1/2005 (zur 1. Auflage)

[...] Pagenstecher's Der bundesdeutsche Tourismus remains a fascinating and timely study of post-war West German tourism. With its strong empirical analysis and innovative image-based approach, the book makes an important contribution to the field of tourism and cultural change and, as stated by the author in his conclusions, paves the way for further such empirical studies.

Journal of Tourism and Cultural Change, Volume 3, No. 1, 2005 (zur 1. Auflage)

Über den methodischen Kern seiner Arbeit hinaus liefert Pagenstecher einen wertvollen Einstieg in die Methoden und Hypothesen der bisherigen tourismusgeschichtlichen Forschung.

Archiv für Sozialgeschichte, 44. Band, 2004 (zur 1. Auflage)

[...] wird hier der Blick auf die Sehenswürdigkeiten eines weitgehend noch unerschlossenen Gebietes gelenkt, das nicht nur die deutsche, sondern ebenso die europäische beziehungsweise westliche Alltags-, Sozial- und Mentalitätsgeschichte seit 1945 umschließt.

sehepunkte.de, Ausgabe 4 (2004), Nr. 9 (zur 1. Auflage)


Bildquellen, Erlebnisgesellschaft, Fotogeschichte, Massentourismus, Mentalitätsgeschichte, Tourismusindustrie, Visual History, Werbung

Zum Inhalt

Capri-Fischer und Baedeker, Alpenglühen und Teutonengrill – das Thema Tourismus ruft nostalgische Erinnerungen ebenso hervor wie beißenden Spott. Der Durchbruch zum Massentourismus war eines der zentralen Elemente der bundesdeutschen Geschichte: Die Urlaubsreise wurde zum festen Lebensbestandteil breiter Bevölkerungsgruppen und prägte das Lebensgefühl des ‚Wirtschaftswunders’. Die bunten Bilder von Stränden, Bergen und Kirchen sind bis heute in Urlaubsprospekten und Fotoalben, Reiseführern und Tourismusplakaten allgegenwärtig. Gleichwohl war der Nachkriegstourismus bislang kaum ein Thema für die Geschichts­wissenschaft; vor allem über die Wahrnehmung der Reisenden wissen wir wenig.

Diese mentalitätsgeschichtliche Studie untersucht die Urlaubsreisen der Bundesdeutschen in den 1950er bis 1980er Jahren. Sie fragt nach den Leitbildern und den Konstruktionsmechanismen des touristischen Blicks im historischen Wandel. Den theoretischen Ausgangspunkt bildet der Tourismus-Essay Hans Magnus Enzensbergers, ergänzt um neuere Entwürfe, vor allem John Urrys ‚Tourist Gaze’. Zur Analyse touristischer Wahrnehmungsmuster entwickelt Cord Pagenstecher innovative Methoden einer ‚Visual History’ und erprobt sie an Urlaubsfotos und anderen Bildquellen. Die wichtigsten Quellen sind Tourismusprospekte, Reiseführer und private Fotoalben.

Nach der Schilderung von Grundlagen und Entwicklungslinien des Nach­kriegs­tourismus werden touristische Medien und ausgewählte Tourismus­arten analysiert und schließlich eine biografische Fallstudie vorgestellt. In verschiedenen Medien – Werbung, Reiseführern und Privatfotos – und Reisearten – Alpen-, Stadt- und Strandtourismus – zeigen sich insgesamt übereinstimmende Entwicklungen: Der visuelle Symbolkonsum spielte eine wachsende Rolle im Tourismus. Der touristische Blick der Bundesdeutschen orientierte sich zunehmend am geselligen Erlebnis-Leitbild; er wurde standardisierter und stärker von der sich industrialisierenden Tourismusbranche beeinflusst.

Link des Autors

www.cord-pagenstecher.de

    

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