Doktorarbeit: Alexander Herzen als sozialistischer Denker im europäischen Kontext

Alexander Herzen als sozialistischer Denker im europäischen Kontext

Philosophische Grundlagen und Entwürfe jenseits des russischen Bauernsozialismus

Studien zur Slavistik, Band 28

Hamburg 2011, 404 Seiten
ISBN 978-3-8300-5772-7 (Print & eBook)

19. Jahrhundert, Alexander Herzen, Anarchismus, Bloch, Comte, Engels, Feuerbach, Habermas, Ideologiekritik, Individualismus, Kapitalismuskritik, Literaturwissenschaft, Marx, Mill, Philosophie der Tat, Philosophische Anthropologie, Popper, Proudhon, Religionskritik, Russische Geistesgeschichte, Russische Kulturwissenschaft, Russische Philosophie, Spießbürgerlichkeit, Weber

Zum Inhalt

Alexander I. Herzen (1812-1870) zählte zu den wichtigsten und bekanntesten russischen Intellektuellen des 19. Jahrhunderts. Er ist als Schriftsteller, Philosoph und Publizist in Erscheinung getreten und ebenso vielfältig wurde er auch bereits zu Lebzeiten interpretiert. Für Literaturwissenschaftler stehen sein grandioses Memoirenwerk und seine sozialkritischen Romane im Vordergrund. Philosophen würdigen ihn als ersten russischen Hegelkritiker. Forscher zur russischen Geistesgeschichte sehen in ihm vorrangig den bedeutendsten Vertreter der Westler und das wichtigste Sprachrohr des fortschrittlichen Russland in Europa. Marxistisch orientierte Denker heben hingegen seine Verdienste um die Konzipierung des sogenannten „Russischen Bauernsozialismus“ sowie seine Bedeutung für die Volkstümlerbewegung hervor.

In „Alexander Herzen als sozialistischer Denker im europäischen Kontext“ wird der Versuch unternommen, Herzen von allen bisher dominierenden Deutungsmustern seines Schaffens und Wirkens zu befreien und ihn in einem neuen Licht darzustellen. Herzen wird nicht nur erstmalig in seiner Gesamtheit als Schriftsteller, Publizist und Philosoph behandelt, sondern darüber hinaus als ein Denker präsentiert, der nur vor dem Hintergrund der philosophischen und politischen Traditionen Europas angemessen beurteilt werden kann. Dabei wird erstens eine systematische Einführung in die materialistische Philosophie Herzens angeboten, die im Unterschied zu allen bisherigen Arbeiten zu Herzen auch seine Früh- und Spätschriften sowie seine literarischen Werke berücksichtigt. Zweitens wird auf dem Gebiet der politischen Philosophie der Nachweis erbracht, dass Herzen in seiner Bedeutung als sozialistischer Denker keineswegs wie bisher angenommen ausschließlich auf sein Konzept des russischen Bauernsozialismus reduziert werden darf.

In einer kontrastiven Analyse der wichtigsten philosophischen und politischen Thesen Herzens mit denjenigen von Größen der europäischen Geistesgeschichte wie Comte, Feuerbach, Marx, Engels, Proudhon, Mill, Weber, Bloch, Popper, Habermas u.a. soll eine Neueinschätzung des Oeuvres von Herzen angestoßen werden. Dass es sich auch noch zu Beginn des 21. Jahrhunderts lohnt, den libertären Sozialisten Herzen neu zu entdecken, sollte nicht nur in Anbetracht seiner prophetischen Voraussage der Implosion der realsozialistischen Länder und seiner Warnung vor der voranschreitenden „Verspießbürgerlichung“ Europas außer Frage stehen.



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