Doktorarbeit: Der Beitrag der Kredit­genossen­schaften zur Finanzierung kleiner und mittlerer Unternehmen

Der Beitrag der Kredit­genossen­schaften zur Finanzierung kleiner und mittlerer Unternehmen

Eine historische und finanzierungs­theoretische Analyse

Schriften zur Sozial- und Wirtschafts­geschichte, Band 13

Hamburg 2011, 570 Seiten
ISBN 978-3-8300-5307-1

Agency-Theorie, Bankgeschichte, Finanzierung, Finanzierungstheorie, Finanzmarktwandel, Genossenschaftsbanken, Geschichtswissenschaft, Kleine und mittlere Unternehmen, KMU, Kreditgenossenschaften, Relationship-Banking, Wirtschaftsgeschichte

Zum Inhalt

Die Existenz einer Vielzahl von kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) ist unabdingbare Voraussetzung für die Funktionsfähigkeit einer modernen Volkswirtschaft und damit für die Aufrechterhaltung der freiheitlich-demokratischen Grundordnung einer Nation. Damit die KMU ihren gesamtwirtschaftlichen Funktionen auch gerecht werden können, muss ihre Finanzierung dauerhaft sichergestellt sein.

Die Kreditgenossenschaften stellen die aus historischer Sicht bedeutendsten Kapitalgebern der KMU dar, da sie den KMU mit ihrer Gründung in der Mitte des 19. Jahrhunderts erstmals einen Zugang zum organisierten Bankkredit eröffneten. Bis zur Mitte der 1920er-Jahre – als allmählich auch die Sparkassen begannen, den KMU Kredite bereitzustellen – agierten sie hierbei in einem nahezu wettbewerbsfreien Raum. Im Gegensatz zu den lokal operierenden privaten Geldverleihern, deren Kredite sich oftmals durch Wucherkonditionen auszeichneten, nutzten die Kreditgenossenschaften ihre Monopolstellung nicht zu Lasten der KMU aus. Vielmehr schufen die genossenschaftlichen Prinzipien und die seinerzeit vorherrschende Corporate-Governance-Struktur der Kreditgenossenschaften eine volkswirtschaftlich unschädliche Form des Monopols. Wie gezeigt wird, handelte es sich bei dieser frühen Form der Kreditgenossenschaften aus finanzierungstheoretischer Sicht um die seinerzeit optimale Finanzierungsinstitution und zugleich um die Idealausprägung des Relationship-Banking, die herkömmliche Maßnahmen zur Risikoreduzierung wie bspw. Kreditsicherheiten oder kostspielige Informationsbeschaffung gänzlich unnötig machte.

Aufgrund ihrer ursprünglichen Besonderheiten waren die Kredit­genossenschaften von allen Bankengruppen am stärksten vom verschärften Wettbewerb auf den Finanzmärkten, dem zunehmenden bankenaufsichtsrechtlichen Regulierungsdruck und dem daraus resultierenden Wandel des Finanzsystems weg vom Relationship-Banking hin zum Deal-based-Banking betroffen. Nur aufgrund einer grundlegenden Veränderung ihrer Strukturen und Geschäftspolitik spielen sie auch heute noch eine maßgebliche Rolle bei der Kreditversorgung der KMU.

Die Untersuchung zeigt auf, wie sich die Finanzierungssituation der KMU im Zeitverlauf entwickelte, welchen Beitrag die Kreditgenossenschaften zur Finanzierung der KMU leisteten und auf welcher finanzierungs­theoretischen Grundlage dieser Beitrag basierte. Der chronologische Rahmen der Untersuchung reicht vom frühen 19. Jahrhundert bis hin zur Gegenwart – ein Zeitraum, der uneingeschränkt als „Zeitalter des Bankkredits“ bezeichnet werden kann.



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