Doktorarbeit: Geschlecht und Identifikation

Geschlecht und Identifikation

Eine empirische Untersuchung zur geschlechtsspezifischen Rezeption von Jugendbüchern

Gender Studies – Interdisziplinäre Schriftenreihe zur Geschlechterforschung, Band 19

Hamburg 2010, 450 Seiten
ISBN 978-3-8300-4867-1 (Print & eBook)

Deutschunterricht, Geschlechterrolle, Geschlechtsunterschied, Jugendliteratur, Kinderliteratur, Leseförderung, Lesen, Leseverhalten, Sozialwissenschaft, Soziologie

Zum Inhalt

Das Phänomen des geschlechtsspezifischen Leseverhaltens gewinnt gerade vor dem Hintergrund der prekären Zahlen zur Lesekompetenz und zur Lesemotivation, insbesondere der männlichen Schüler, bei den PISA-Studien eine neue Brisanz.

Mit der Untersuchung zu Identifikationsprozessen während des Lesens wird ein Aspekt herausgegriffen, der über den instrumentell geprägten Begriff von „Lesekompetenz“ nach PISA hinausgeht und auch die emotionalen und motivationalen Aspekte des Leseverständnisses berücksichtigt.

Im Gegensatz zu zahlreichen anderen Studien zu den Geschlechtsunterschieden beim Lesen, die sich u.a. auf Lesequantität, Lesestoffe und Leseweisen konzentrieren, war es Ziel dieser Untersuchung, einen Einblick in das zu gewinnen, was während des Rezeptionsvorgangs im „Inneren“ des Lesers abläuft. Die Studie – die im Hinblick auf Aufbau und Ergebnisse transparent dokumentiert wird – geht den Fragen nach, wie Identifikationsprozesse beim jugendlichen Leser aussehen können, ob es dabei deutliche Unterschiede zwischen Jungen und Mädchen gibt und welche Faktoren den Vorgang der Identifikation positiv oder negativ beeinflussen können. Weitere Subgruppenanalysen untersuchen neben dem zentralen Aspekt des Geschlechtsunterschiedes zudem, ob sich hinsichtlich der Altersstufe der Schüler, der besuchten Schulart und des Lesertypus (Viel- bzw. Wenigleser) noch weitere Auffälligkeiten nachweisen lassen.

Als wichtiges Ergebnis konnte die Bedeutsamkeit von Identifikationsprozessen während der Buchlektüre für die Ausbildung eines positiven Leserselbstverständnisses belegt werden. Zudem konnten zahlreiche Bedingungen bzw. Voraussetzungen in Büchern ermittelt werden, die dazu beitragen, dass sich Jugendliche beiderlei Geschlechts mit den literarischen „Helden“ identifizieren können.

Aus diesen Erkenntnissen lassen sich folgenreiche Konsequenzen für die methodische und inhaltliche Inszenierung von Literaturunterricht ableiten. Zentralste Forderung ist dabei eine veränderte Lektüreauswahl für den Unterricht. Um Hilfestellungen für die unterrichtliche Arbeit zu geben, werden konkrete Kriterien für die Lektüre von Jungen und Mädchen in den einzelnen untersuchten Jahrgangsstufen angeführt. Neben einer veränderten Textauswahl ergeben sich für eine Intensivierung der imaginativ-identifikatorischen Textaneignung auch didaktisch-methodische Konsequenzen, die ebenfalls ausführlich dargestellt werden.

Dieses Buch beinhaltet damit eine detaillierte Beschreibung des empirischen Forschungsstandes zu Geschlechtsunterschieden beim Lesen, bietet aber zugleich dem Lehrenden eine Vielzahl konkreter Ansatzpunkte für den Schulalltag, um insbesondere für die Jungen eine kompensatorische Leseförderung zu ermöglichen.



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