Doktorarbeit: Handlungen von Fremd- und Selbsttötung

Handlungen von Fremd- und Selbsttötung

Eine forensisch epidemiologische Analyse für Hamburg 1990-2005

Forschungsergebnisse aus dem Institut für Rechtsmedizin der Universität Hamburg, Band 9

Hamburg 2007, 116 Seiten
ISBN 978-3-8300-2986-1 (Print & eBook)

Doppelsuizid, Erweiterter Suizid, Kindstötung, Kombinierte Tötungshandlung, Medizin, Mord, Rechtsmedizin, Selbstmord, Täter-Opfer-Konstellation

Zum Inhalt

Zwei Menschen, ein Mann und eine Frau, beide etwa Ende 30, liegen tot in einer Wohnung. Die herbeigerufene Polizei findet ihn zusammengesunken im Flur, sie im Schlafzimmer ausgestreckt auf dem Bett. Die Pistole neben seiner Leiche und die Verwundungen an beiden Köpfen deuten auf ein Tötungsdelikt hin. In der Küche werden auf einem Tisch zwei Abschiedsbriefe gefunden.

Tatzeugen gibt es in solchen Fällen oft nicht. Nun sind Polizisten und Rechtsmediziner gefragt, aus den vorhandenen Spuren den Tathergang zu rekonstruieren und nach den Ursachen zu forschen. Wer ist Täter, wer ist Opfer? Hat es einen Entschluss für den gemeinsamen Tod gegeben? Oder hat sich ein lange schwelender Beziehungskonflikt in einer Gewalttat entladen? Welche Motive lagen der Tat zugrunde?

Verglichen mit Mord und einfachem Suizid sind derartige Taten relativ selten und erregen die Öffentlichkeit noch mehr. Auch Rechtsmediziner, Psychiater und Kriminologen haben sich in den letzten hundert Jahren häufiger mit diesen Fragestellungen beschäftigt. Früher sprach man meistens vom „erweiterten Suizid“, wenn jemand andere Menschen mit in den Tod nahm. Zu einer klaren Definition des Begriffs ist es jedoch weder auf nationaler noch auf internationaler Ebene gekommen, so dass Vergleiche mit früheren Studien nicht ohne weiteres zu ziehen sind.

Die Analyse geht von einer klaren Unterscheidung der verschiedenen kombinierten Fremd- und Selbsttötungen aus. Auf der Grundlage des umfangreichen Datenmaterials der Hamburger Mordkommission wurden sämtliche 80 solcher Taten aus einem Zeitraum von 15 Jahren ausgewertet und fünf Kategorien zugeordnet. Keine der bisherigen Studien hat eine solch breite Basis aufzuweisen. Repräsentative Fälle werden ausführlich beschrieben (Auffindsituation, vermutlicher Tathergang, Motive etc.). Für zwei Kategorien ist ein Vergleich mit einer früheren Hamburger Studie möglich. Zum ersten Mal kann über die Zeit von etwa 50 Jahren festgestellt werden, welche Veränderungen sich bei kombinierten Fremd- und Selbsttötungen in einer Großstadt vollzogen haben.

Damit ergibt sich die Möglichkeit, künftig für diese Fälle ein tiefergehendes Verständnis zu erreichen und auch präventive Maßnahmen für Taten zu entwickeln, hinter denen jenseits aller Kategorisierung immer auch ganz persönliche Schicksale stehen.



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