Dissertation: Identität und Exil

Identität und Exil

Lebensgeschichten ehemaliger Exilanten und ihre Identitätskonstruktionen in der Phase des Unabhängigkeitskampfes Namibias

IMAGO VITAE – Schriften zur Biographieforschung, Band 5

Hamburg 2007, 308 Seiten
ISBN 978-3-8300-2974-8 (Print & eBook)

Befreiungsbewegung, Biografieforschung, Exil, Grounded Theory, Identität, Namibia, Nation-Building, Postcolonial Studies, Soziologie

Zum Inhalt

Die Basis der qualitativ-empirischen Studie zu Identität und Exil ist ein vierjähriger Aufenthalt der Autorin in Namibia. Die insgesamt dreißigjährige Exilgeschichte und die Exilerfahrungen, die einen relevanten Teil der kollektiven Geschichte Namibias darstellen, bilden den Gegenstand der Studie. Im Mittelpunkt stehen erzählte Lebensgeschichten ehemaliger namibischer Exilanten. Zitate dieser interessanten, wechselvollen und aussagekräftigen Erzählungen lassen im ersten Kapitel die detaillierte Bestandsaufnahme des über dreißig Jahre währenden Exilgeschehens lebendig werden. Ausgewählte Narrationen, die im Anhang in ihrer Ganzheitlichkeit wiedergegeben werden, erlauben fundierte Einblicke in die zum Teil dramatischen Biografien von Exilheimkehrern.

Entsprechend der Untersuchungsperspektive ist das Forschungsdesign im Rahmen der Grounded Theory als biografieanalytische Studie konzipiert. Das Instrument des narrativen Interviews ermöglicht die Prozessualität der Konstituierung von Identitäten zwischen den Erfahrungen im Apartheidregime und den Gastländern aus der Perspektive der Zeitzeugen nachzuvollziehen. Die Untersuchung eröffnet durch die Verwobenheit von mikro- und makrogeschichtlichen Ebenen eine interdisziplinäre Herangehensweise.

Die Analyseergebnisse – unter dem Extrakt „It was the struggle, first and foremost„ zusammengefasst – setzt die Autorin zu Aspekten der Postcolonial Studies in Beziehung. Aktivismus und Gemeinschaft sind wesentliche Essenzen der Exilerfahrung im Übergang von einem kolonialistischen Regime hin zur Unabhängigkeit. Unter zu Hilfenahme der Diskurse zu Identität, Kultur und Selbstverortung innerhalb postkolonialer Grenzziehungen werden komplexe Persönlichkeitsentwicklungen sichtbar gemacht. Über einen individuellen Ansatz hinausgehend diskutiert die Autorin Identifizierungsprozesse hinsichtlich des nation building Namibias. Das einmalige, weltweit gespannte Netzwerk der Befreiungsbewegung SWAPO bildet den Rahmen für die Entwicklungen. Identität als Prozess stellt den Erfahrungshintergrund für die Herausbildung von Hybridität in einem von Transkulturalität geprägten Feld. Im Mittelpunkt steht das Leben in-between: multiple Identitäten an einem Kreuzungspunkt der unterschiedlichen sozialen, geopolitischen und kulturellen Kontexte, in denen die Interviewten gelebt haben.



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